"HANDSHAKE MIT MADONNA!!!"

 

Interview mit Phil von Story Of The Year im Palladium, Köln (20. November 2005)

 

Emocore-Bands gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Aber Qualität ist bekanntlich immer noch ein Gütesiegel, das Bände spricht. Story of The Year gehören zu den Bands die Qualität erzeugen und noch zu den interessanteren Bands des Genres gelten. Ihr erstes Album „Page Avenue“ erschien vorerst nur in den Staaten und wurde auf Anhieb ein großer Erfolg. Die Single „Until The Day I Die“ lief auf Rotation und „And The Hero Will Drown“ war auf dem Game “Need For Speed: Underground”. Es folgten etliche Tourneen durch die Staaten und man machte sich an die Arbeiten zu „The Wake of Determination”, um anschließend ihm Rahmen der Taste of Chaos-Tour auch endlich in Deutschland aufzutreten. In Köln saß uns Gitarrist Phil Sneed gegenüber:

 


getaddicted: Hallo Phil, es ist das erste Mal, dass ihr hier in Deutschland seid. Wie ist dein erster Eindruck?
Phil: Es ist kalt hier, überall wird geraucht und die Kids sind weltweit die besten Crowd-Surfing-Kids, die ich je gesehen habe. Die Kids haben es einfach drauf! Alle machen dabei mit und lassen niemanden auf die Erde knallen. Überhaupt ist das Publikum sehr frenetisch, und es macht riesig Spaß hier zu spielen.
getaddicted: Was meinst du damit, dass hier überall geraucht wird? Fällt dir das so sehr auf?
Phil: Yeah. An jeder Ecke sieht man Leute, die rauchen. Es scheint so, dass jeder hier raucht und es stinkt total. Ich mag das überhaupt nicht und es ist schon sehr unterschiedlich im Vergleich zu uns in den Staaten. Dort hat man ja strikte Unterteilungen, wo geraucht werden darf und wo nicht. Man achtet diesbezüglich halt auch mehr auf seine Gesundheit.
getaddicted: Bist du denn Straight Edge?
Phil: Nein. Ich rauche nicht, aber einem guten Wein kann ich auch nicht widerstehen.

getaddicted: Du meinst auch, dass hier es hier kalt ist. Ihr kommt doch aus St. Louis. Da ist das Wetter doch auch nicht immer konstant sonnig.
Phil: Das stimmt natürlich. In St. Louis haben wir immer extreme Hitze im Sommer, aber dafür auch einen ziemlich kalten Winter. Bevor wir nach Europa gekommen sind, waren wir zuerst in Australien, wo gerade Sommer ist. Das war natürlich der Hammer! Dann sind wir nach Japan, wo es so ging mit den Temperaturen. Als wir dann in England landeten, wurde uns schon anders, und jetzt hier in Deutschland ist es halt noch kälter. Naja, da vermissen wir schon Australien. (lacht).

getaddicted: Bist du froh mit den ganzen Bands solch eine Tour zu machen?
Phil: Ja, es macht sehr viel Spaß, auf dieser Tour zu sein, vor allem mit Killswitch Engage. Mit Funeral For A Friend haben wir bereits vor dieser Tour in Staaten getourt. Von daher kannten wir uns bereits und es macht einfach viel Spaß, erneut wieder mit ihnen Abend für Abend zu spielen.

getaddicted: Wie siehst du die „Taste of Chaos“-Tour in Bezug auf die Vans Warped Tour?
Phil: Ich glaube, dass die Taste of Chaos Tour der Warped Tour wohl am nächsten kommt. Die Warped Tour ist mit über 120 Bands und 9 Bühnen einfach unerreichbar und vor allem ein Open Air Ereignis. Aber was hier auf die Beine gestellt wurde, gibt dem Publikum die Gelegenheit, sich alle Bands anzuschauen, da es nur die große und die kleine Bühne gibt. Auf der Warped Tour werden die Bands quasi über die Bühne gescheucht und das Publikum kann nicht alles mitbekommen, was man vermutlich sich gewünscht hätte zu sehen. Hier reduziert es sich auf das Wesentliche, und in den Hallen kommt halt eine viel intensivere Stimmung auf. Sicherlich für das Publikum angenehmer.

getaddicted: Man muss das jetzt mal unseren Lesern erklären, wie es auf der Warped Tour ist. Es ist so, dass jede Bühne quasi doppelt belegt ist bzw. noch mal aufgeteilt ist, so dass es fortlaufend Livemusik ist. Während eine Band spielt, wird im anderen Teil der Bühne schon mal für die nächste Band aufgebaut und es geht immer abwechselnd weiter, wobei jede Band auch nur 30 Minuten spielt. Wie ist es für dich als Musiker, wenn man quasi keine eigene Umbaupause hat?
Phil: Es ist schon ziemlich stressig, vor allem für die Crew. Man hat nur wenig Zeit alles aufzubauen und auch der Soundcheck ist nicht immer so, wie man es eigentlich am liebsten hätte. Oft leidet einfach die Qualität des Sounds. Das ist ein ziemlicher Nachteil. Aber wäre ich Fan und würde vor der Bühne stehen…ist es einfach genial. Wir kennen das ja, dass es auf Konzerten nichts Langweiligeres gibt als diese blöde Umbaupause. Die fällt ja weg, und so gibt es an einem Stück Musik bis zum Umfallen.

getaddicted: Aber unter uns: Ist es wirklich cool mit Linkin Park, P.O.D oder Hoobastank zu touren?
Phil: Doch, doch! Linkin Park sind ja ziemlich fett ,und mit denen haben wir vor 10.000 bis 15.000 Leuten jeden Abend gespielt. Normalerweise kommen zu unseren Shows vielleicht gerade mal 800 bis 1000 Leute. Das ist schon was Einzigartiges mit solch einer Band zu touren. P.O.D, seit meiner Jugend, also 1994, bin ich ein Fan von P.O.D. Mein erstes Tattoo ist auch deren Schriftzug. Entsprechend war es für mich ein tolles Ereignis. Hoobastank sind von der Größenordnung wie wir, sprechen aber ein anderes Publikum an. Daran lag auch ein gewisser Reiz, und es machte auch viel Spaß, vor Leuten zu spielen, die vielleicht mehr ruhigere Töne hören.

getaddicted: Euer neues Album, das gerade bei uns erschien, heißt „The Wake Of Determination“. Wie kommt ihr auf den Titel?
Phil: Es gibt viele Faktoren, die dort eingeflossen sind. Mit unserem ersten Album hatten wir für uns einen überraschenden Erfolg. Wir waren plötzlich überall in den Medien, und auf MTV liefen unsere Songs. Der Erfolg kam sehr schnell, und wir waren die letzten zwei Jahre nur auf Tour. Man geht völlig neu an die Sache heran, da man sich neu sammeln muss. Man muss begreifen, was passiert ist, und sich Gedanken machen, was man jetzt will und wie man an die Aufnahmen zum zweiten Album geht. Dabei haben wir dann ununterbrochen am neuen Material gearbeitet. Es ist nicht übertrieben, wenn ich davon spreche, dass wir 24 Stunden gearbeitet haben. Wenn ich abends aus dem Proberaum gegangen bin, ist Ryan gekommen und hat die ganze Nacht an Riffs gefeilt und Songs geschrieben, bis ich dann am nächsten Morgen auftauchte und wir zusammen probten. Es war immer einer von uns im Proberaum, und es war schon sehr anstrengend. Wir waren sehr fokussiert und alles drehte sich um die neue Platte. Als wir die Songs fertig hatten, waren wir schon erstaunt darüber, was für eine Zeit wir damit verbracht haben. Wir hätten es uns niemals so vorstellen können, wie es letztendlich wurde. Diese Zeit hat uns sehr geprägt, und somit war für uns klar, dass diese Platte so heißen soll.

getaddicted: „The Wake of Determination“ wurde diesmal von Steve Evetts produziert und nicht von John Feldman (u.a. Sänger von Goldfinger). Inwiefern unterscheiden sich die beiden?
Phil: Die beiden haben sich enorm unterschieden. Feldman hat sicherlich gute Arbeit geleistet und weiß immer, was er will. Jedoch hat er eine Vorliebe dafür, dass jedes Instrument einzeln eingespielt wird. Erst das Schlagzeug, dann die Gitarre und so weiter. Weil wir mit dem einspielen der einzelnen Instrumente nicht so glücklich waren, war für uns auch klar, dass wir das nächste Album nicht mit Feldman machen. Man hat nie alles komplett eingespielt, wie es dann bei Steve Evetts der Fall war, was dann viel intensiver war und viel mehr Spaß machte. Feldman wollte auch, dass wir als Gitarristen bei der Aufnahme sitzen und bei Steve Evetts konnte man volles Rohr rocken und sich im Studio richtig verausgaben.

getaddicted: Kennst du John Feldmans größten Hit hier?
Phil:
getaddicted: Coversong von Nena…
Phil: 99 Red Ballons! Jetzt fällt es mir wieder ein.

getaddicted: Ihr seid auf Maverick, dem Label das Madonna gegründet hat. Habt ihr sie schon mal getroffen?
Phil: (lacht) Nein, leider noch nicht. Als wir damals den Vertrag unterschrieben haben, fragten wir natürlich nach, wann wir endlich Madonna treffen würden. (lacht) Wir bekamen als Antwort, dass wenn wir Gold in den Staaten holen, sie uns die Hand schütteln wird. Aber sie gibt sicherlich nur ihren Namen für Maverick und weiß von unserer Existenz bestimmt nicht einmal.

 

Interview: Markus Tils, Andreas van der Waal