ALLES ROCK'N'ROLL

 

Interview mit Strung Out in Bochum 2004

 

Strung Out zusammen mit den Bouncing Souls - ja klar! Aber dazu Coheed and Cambria? Für Strung Out-Klampfer Jake ist das kein Problem - im Gegenteil, wie er uns vor der Show im Tourbus erzählte.

GETADDICTED: Wo liegt für Euch der Unterschied, mit anderen Punkrockbands zu spielen, oder wie heute mit Coheed and Cambria?
Jake: Für mich ist das alles Rock’n’Roll! Ich achte bei Bands nicht darauf, bei welcher Plattenfirma sie sind oder wie ihre Musikrichtung genannt wird. Wir haben jetzt ein paar Shows mit Coheed and Cambria zusammen gespielt, und sie spielen halt guten, progressiven Rock’n’Roll, sehr dynamisch, ich mag ihre Musik. Wir sind ein bisschen speed-orientierter, metal-orientierter und mit einem Punkrock-Background. Die Bouncing Souls sind noch mehr Punkrock als wir und ich denke, alles zusammen ergibt eine sehr gute Mischung. Das ergänzt sich alles gut.
GETADDICTED: Wie hat das Publikum auf diese Kombination bis jetzt reagiert?
Jake: They’re having a good time. Natürlich sind viele Leute eher Fans von einer bestimmten Band, aber wir kriegen alle eine ähnliche gute Resonanz. Die Leute bleiben auf jeden Fall da und schauen sich alle Bands an. Es ist auf keinen Fall so, dass eine Band ausgebuht wird!
GETADDICTED: Ich habe gelesen, dass ihr immer mal wieder Fans in den Tourbus einladet, Playstation-Contests oder ähnliche Dinge macht.
Jake: Ja klar! Gestern haben wir noch lange mit ein paar Fans hier gesessen. Wir haben ja eine neue Platte und haben sie den Kids vorgespielt. Wir wollen einfach wissen, wie sie die Songs finden, dann relaxen wir ein bisschen zusammen. Sowas ist uns einfach wichtig. Ohne die Kids wären wir nicht hier und wir wollen ihnen auch zeigen, dass sie uns wichtig sind.
GETADDICTED: Ich habe immer mal gehört, dass Leute Euch und Euer Auftreten auf der Bühne arrogant finden.
Jake: Arrogant? Cool! Ich denke, eine Rockband muss arrogant sein. Schließlich soll man überzeugt sein, von dem was man tut! Wir sind nun mal professionell! Aber mal ehrlich: Wir lieben das, was wir tun, auf Tour sein, auf der Bühne stehen. Wenn das bei jemandem negativ ankommt – I don’t care! Natürlich versuchen wir, die Menge für uns zu gewinnen, aber wenn du es jedem Einzelnen Recht machen willst, dann wirst du verrückt!
GETADDICTED: A propos verrückt. Ihr kommt ja aus Kalifornien. Was ist eigentlich falsch gelaufen - bei dir persönlich, der Band, den Leuten in Kalifornien – dass ein kleiner Junge aus Österreich in die USA kommt und dann Gouverneur wird?
Jake: Naja, ich denke, ich habe nichts falsch gemacht. Every Politician is pretty fucked! Aber findest du nicht, dass es schon irgendwie cool ist, dass ein Österreicher in die USA, ein fremdes Land, kommen kann und da ein wichtiges politisches Amt übernehmen kann? Ich denke, es ist prinzipiell eine gute Sache. Natürlich gibt es überall, in der Politik, im Business, in Musikkreisen, total bekloppte Leute dadurch. Und überhaupt: Ich weiß, dass es mal einen Österreicher gab, der nach Deutschland kam und da auch ziemlich hoch aufgestiegen ist!!
GETADDICTED: Schwarzenegger hat seinen Lebenslauf beim Parteitag der Republikaner als „American Dream“ bezeichnet. Wie sieht dein „American Dream“ aus?
Jake: Oh Gott, der sieht auf jeden Fall anders aus! Mein Traum ist und war es einfach immer, etwas zu erschaffen, was positives, etwas künstlerisches. Musik wurde dann meine Art der Kunst. Es ist großartig, dass ich das mit meinen Jungs zusammen verwirklichen kann. Wir lieben das, wir berühren damit Leute, denen gefällt, was wir machen. Mein Traum ist es jetzt, das am Leben zu erhalten, größer und besser zu werden, so dass ich, wenn ich 50 oder 60 bin, darauf zurück blicken kann und stolz darauf sein kann. Ich möchte dann nicht Politker oder so werden, um Himmels willen.
GETADDICTED: Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?
Jake: Ich hoffe, dass ich dann noch genau das gleiche mache. Ich hoffe, mit den gleichen Leuten wie jetzt, ansonsten möchte ich aber trotzdem irgendwie Musik machen. Touren und Musik machen, das reicht mir!
GETADDICTED: Wie viel seht Ihr von der Gegend hier? Ihr wart ja schon öfter im Ruhgebiet.
Jake: Hier direkt waren wir zwar noch nicht, aber es ist schon schön, wenn man in der Gegend wo man gerade ist, einiges wieder erkennt. Wir sind heute durch Essen gefahren, wo wir ja schon ein paar Mal in der Zeche Carl gespielt haben. Und es ist einfach cool! Man kommt aus Kalifornien und erkennt die Gegend hier mitten in Europa wieder.
GETADDICTED: Ich habe euch mal in der Zeche Carl gesehen, und da waren nur ungefähr 50 Leute.
Jake: Yeah, Essen is somehow pretty shitty for us! Ich weiß auch nicht warum. Frag am besten mal die Essener! Essen ist irgendwie immer unterschiedlich. Wir haben gute Konzerte gespielt und auch teilweise sehr kleine! Es ist nicht wie London, wo immer 600 Leute sind. Oder München, oder in Italien. Aus irgendeinem Grund mögen uns die Italiener besonders. Aber in Essen sind mal 300 Leute, mal 100 und mal nur 50. Aber wir kommen trotzdem wieder. Und wenn nur zehn Leute da sind, wir spielen trotzdem so gut wir können.
GETADDICTED: Spielt ihr deshalb mit den Bouncing Souls zusammen, damit mehr Leute kommen?
Jake: Hehe, könnte sein!
GETADDICTED: Wenn Ihr auf die Bühne kommt und da nur 20 Leute stehen, wie motiviert ihr Euch dann?
Jake: Wenn 500 oder 1000 Leute da sind, ist natürlich im Raum ein ganz anderes Energielevel da und das wirkt sich auch auf uns aus. Wenn weniger Menschen da sind, spielt man trotzdem gut, vielleicht sogar besser, weil man selber nicht so sehr abgeht. Aber es ist schon was anderes, wenn die Menge so richtig ausrastet. Man geht da mehr mit. Da ist es auch immer cool, wenn man sich die Vorband schon angucken kann und sich da schon die Stimmung aufbaut. Das macht auch schon richtig Spaß. Außerdem haben wir dadurch auch schon eine Menge cooler Bands gesehen und kennen gelernt. Wir versuchen dann auch oft, uns die Bands wirklich anzuschauen. Manchmal hocken wir aber auch einfach im Tourbus,
GETADDICTED: Was läuft dann bei Euch im Tourbus?
Jake: Meistens hängen wir ab und hören Musik. Im Moment ist die neue Rise Against auf Heavy Rotation, viel Punkrock, Hardcore, aber auch Radiohead oder mal Curtis Mayfield. Oft gucken wir auch die Simpsons.
GETADDICTED: Hört Ihr auch Eure eigenen Alben?
Jake: Eigentlich nicht! Höchstens mal bei einem Freund im Auto. Und die älteren sowieso nicht! Einmal im Jahr kommt es vielleicht vor, dass ich mir ältere CDs noch mal anhöre, aber dann reicht es auch. Wenn man mit der CD-Aufnahme fertig ist, dann hat man eigentlich davon die Schnauze voll. Ich hoffe, den Kids geht es mit unserem neuen Album anders!

 

Interview: Jens Becker