RANCID, MINOR THREAT, METALLICA? ODER DOCH LIEBER EMOCAPELLA?

 

Taking Back Sunday bei ihrer einzigen Deutschland-Show der Tour

 

Musik und ihre Familie – das sind für Taking Back Sunday die wichtigsten Dinge im Leben. Einfach rocken ist ihre Maxime, und da alle Deutschland-Konzerte außer das in Köln gecancelt wurden, blieb den Fans nur die Möglichkeit, in die Domstadt zu fahren – vorerst zumindest: Denn ohne bisher darüber zu reden, haben Taking Back Sunday bei Warner unterschrieben und werden nun mit einem Major-Label im Rücken wohl öfter über den großen Teich kommen können.
Doch diesmal mussten einige Fans weite Wege aus den entlegenen Winkeln der Republik auf sich nehmen, und während schon die ersten Leute frierend durch das schmuddelige Sauwetter auf dem Weg zur Live Music Hall trollten, saß ich mit Drummer Marc im kargen „Dressing Room 3“, er legte erst mal drei Zigaretten auf den Tisch, um sich irgendwann die vierte anzuzünden und auf den Stuhl fallen zu lassen.

getaddicted: Wie kriegt ihr eigentlich Eure Popularität in Europa mit?
Marc: Als wir zum ersten Mal in Europa waren, da war das Astoria in London ausverkauft und da passen über 2000 Leute rein. Das war schon überwältigend. Da hatten wir nicht mit gerechnet. Als wir hier hin kamen, dachten wir, da kommt doch eh keiner. Da waren wir schon megahappy! Was uns gerade hier in Köln sehr gewundert hat, waren die vielen amerikanischen Kids. Es sind halt viele hier, die was mit amerikanischen Militärstützpunkten was zu tun haben. Aber auch die deutschen Kids sind cool, die gehen immer gut ab!
getaddicted: Wie sieht’s aus mit Groupies hier?
Marc: Da kümmert sich bei uns eigentlich keiner von uns drum. Zwei von uns sind verheiratet, zwei haben sehr lange Beziehungen. Also Mädels, es tut mir leid, da müssen wir euch desillusionieren.
getaddicted: Wenigstens denkt ihr bei Europa nicht sofort an schlechtes Wetter.
Marc: Hehe, obwohl, als wir letztes Mal auf Europa-Tour waren, hat es wirklich nur geregnet, genau so ein Scheißwetter wie heute. Wenn ich jetzt nicht den Raum hier vollqualmen würde, hätte ich auch das Fenster gar nicht aufgemacht. Als wir letztes Mal hier in Köln waren, da hatten wir allerdings saugeiles Wetter. Das war ein richtig schöner Tag.

Der sollte es auch für die Leute in Köln werden. Pünktlich um 20.30 Uhr bestiegen Fire in the Attic die Bühne. Bis zum Vortag werkelten die Bonner noch an den Aufnahmen zu ihrem Debütalbum, von dem sie dann auch dem Kölner Publikum schon zahlreiche Songs präsentierten. Dazu kamen dann noch Tracks ihrer „Decision & Action“-EP. Vor der Show wurde Gitarrist Daniel zwar zunehmend nervöser, aber das legte sich recht schnell. Basser Dennis traute sich dann sogar mitten in der Show, seine Mami zu grüßen, „auch wenn das überhaupt nicht Punkrock ist“

Um 21.30 war dann endlich die für TBS-Drummer Marc so nervige Wartezeit auf die Stunde und zehn Minuten vorbei. „Einfach Musik zu machen, ist für uns die großartigste Sache auf Erden“, erklärte der Trommler vorher und mit der entsprechenden Leidenschaft ging’s los: „Set Phasers To Stun“ vom neuen und „Timberwolves At New Jersey“ vom ersten Album waren die ersten beiden Songs und mit einer ausgewogenen Mischung der beiden Platten ging es auch energetisch durch das Set.

getaddicted: Warum spielt ihr eigentlich live keine Coversongs?
Marc: Gute Frage, kann ich gar nicht genau sagen. Wir haben früher immer „Message In A Bottle“ von The Police gespielt. Und ich weiß noch nicht einmal, warum wir aufgehört haben, den zu spielen. Der ist einfach irgendwann von der Playlist geflogen. Obwohl eigentlich hat der live immer Spaß gemacht (grübelt).
getaddicted: The Police scheinen ja immer noch eine ziemliche Wirkung auf Musiker zu haben. Gerade ist ja noch ein Tribute-Sampler erschienen.
Marc: Da spielt doch bestimmt irgendwer „Message In A Bottle“. Manchmal sind solche Coveralben ja eine nette Sache.

getaddicted: Wo wir gerade bei Coveralben sind. Habt ihr schon mal was von Emocapella gehört?
Marc: Ja! Wir haben mal eine Show mit ihnen zusammen gespielt. Als wir auf die Bühne gehen wollten, kamen sie an und haben einen Song halt auf ihre Art und Weise performed. Die Jungs sind schon cool!
getaddicted: Würdet ihr mit ihnen auch auf Tour gehen?
Marc: Oooooh! Uuuuh! Ich weiß nicht, ob wir direkt mit ihnen auf Tour gehen würden. Mal so ein paar Songs mit ihnen spielen wäre aber mit Sicherheit okay! Aber deine Frage wundert mich ein bisschen: Sind die hier so bekannt?
getaddicted: Ich habe nur mal ein kurzes Video gesehen, wie sie „Cute without the E“ singen.
Marc: Hey, das ist richtig cool, so was zu hören oder zu sehen. Die Jungs haben’s schon echt drauf. Vielleicht sollten wir die wirklich mal als Support nehmen. Aber vielleicht nicht unbedingt für eine ganze Tour.

getaddicted: Wenn Du Dir eine Band zusammen stellen dürftest, mit wem wolltest du mal zusammen spielen oder ein Album machen?
Marc: Oh, ich nehm...verdammt, das ist schwierig. Also James Hetfield auf jeden Fall an der Gitarre.
getaddicted: Auch Gesang oder nur Gitarre?
Marc: Um Himmels willen. Nur Gitarre! He has lost his voice! In meinen Augen zumindest. Musst Du ja nicht weitererzählen. Ian MacKaye sollte singen.
getaddicted: Wie bei Minor Threat oder wie bei Fugazi?
Marc (mit leuchtenden Augen): MINOR THREAT! Auf jeden Fall. Wen soll ich den jetzt als Bassisten nehmen? Ohmann (grübelt). Du suchst den Bassisten aus.
getaddicted: Matt Freeman?
Marc: Matt Freeman! YEAH! Rancid!!! Rancid, Minor Threat, Metallica! Das wäre eine geile Band! Richtig krank! Das wäre richtig Hardcore! Ich habe vor Taking Back Sunday in einer Hardcore-Band gespielt – Strongpoint. Und das war eine richtig böse Metal-Hardcore-Band. Aber mit den Jungs wären wir bestimmt richtig gut!


Bis Hetfield, Freeman und Co sich von so einem Projekt überzeugen lassen, geht’s aber mit TBS weiter. Sänger Adam wickelte sich zwar immer wieder gerne das Mikrokabel um den Hals, aber in ihrer jetzigen Verfassung wird die Band wohl noch einige Zeit bestehen. Neuzugang Fred fügte sich nahtlos ins Gefüge ein und mit ihrer enormen Live-Power glichen TBS auch den manchmal etwas fehlenden Drive des zweiten Albums locker aus. Die Fans dankten es der Band, ihre Schweißporen leisteten harte Arbeit und in den Pausen, die die Band beim Über-Song „Cute without the ‚E’“ einbaute, schallte de Gesang lautstark durch die ganze Halle. Zur ersten Zugabe, dem schmachtenden „New American Classic“, waren sogar vereinzelte Feuerzeuge zu sehen. Nach den angekündigten 70 Minuten war dann aber Feierabend.

Linernote Emocapella:
Eric Denman, Student an der George Washington University, kam im Jahr 2001 irgendwann auf die witzige Idee, einen A Capella Chor zu gründen, der nur Punkrock- und Emo-Songs singt. Über ein paar Auftritte und Stories in Punk-Fanzines hat es der derzeit 13-köpfige Chor sogar ins britische Kerrang! und zu einer CD gebracht. Darauf finden sich neben „Cute Without The 'E'“ auch Songs von Saves The Day, Alkaline Trio oder Brand New.

 

 

Interview: Jens Becker