TRACKLIST

  1. Harm Rochel
  2. Der Frosch Hat's Versaut
  3. Haubentaucherwelpen
  4. Insel
  5. Schalenka Hase
  6. Ja, Roducheln!!!
  7. Hau Ab Die Schildkröte
  8. Bei Fugbaums
  9. Am Ende Einer Reise
  10. Nach Fest Kommt Ab
  11. Vormann Leiss

TURBOSTAAT

 

VORMANN LEISS

[SAME SAME BUT DIFFERENT]

 

Moin, moin und es heißt wieder Ahoi!

Vormann Leiss heißt der dritte Vogel der sympathischen, jedoch manchmal wortkargen Nordlichter. Nachdem ihre alte Plattform Schiffen mehr oder minder gesunken ist und nun in den kalten Nordseefluten schlummert, sind Turbostaat auf ihrem lang erwarteten Seenotkreuzer zurück!

Es wird wieder kräftig gewütet, wie es die stürmische Nordsee vormacht - diesmal vielleicht ein wenig direkter und mit weniger Platz für interpretative Windböen, was aber durchaus auf die immer größer werdende Enge in den Leben der Menschen zurückzuführen sein könnte. Alltag und Tristesse, Stagnation und Resignation sind weiterhin die tonnenschweren Schiffswracks, die dringend abzuschleppen sind. Worauf wartet der Mensch, ist sein eigenes Ich keine Reflektion mehr wert? Sei es mit Textzeilen wie etwa „Leb doch mehr wie deine Mutter, leb bloss nicht wie ich!“ (Harm Rochel) oder „Es ist viel zu spät, wenn du gehst, es wird leise sein, man kann es hören!“ (Schalenka Hase) müssten bei uns allen langsam mal die Schiffsglocken anfangen zu läuten.
Musikalisch stehen ebenfalls weiterhin alle Zeichen auf Sturm. Es ist nun mal der intelligente Turbostaat-Punkrock, der die Wut im Bauch herauslässt. Raue verzerrte Riffs, schrille Oktavgischt auf den treibenden Schlagzeugwellen in den alles verschlingenden Bassermassen. Darüber tobt Jan mit seiner unvergleichlich rau-kratzig klingenden Stimme.

Die Band ist definitiv reifer geworden, was man auf „Vormann Leiss“ deutlich hören kann. Jedoch nimmt dies der neuen Platte keinesfalls den Seegang. Es heißt weiterhin volle Fahrt voraus - egal bei welchem Wetter. Turbostaat ist keine Schönwettermusik, sondern so roh und so rau wie die See.
Genug geschlafen, jetzt wach werden, aufstehen, anziehen und los…Anlauf Leute, Anlauf.
(Mirko Hoffmann)

 

2001 durfte ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit Turbostaat machen. Seitdem ist ein weiteres Album passiert und Turbostaat veröffentlichen dieser Tage ihr erstes Album auf einem Major-Label. Die brachiale und wuchtige Stimme von Jan ist auch 2007 noch genauso präsent, wenn der junge Mann mir „ Guten Tag“ in den Gehörgang brüllt. `Harm Rochel`, die erste Single von `Vormann Leiss`. Laut, dreckig, wütend und intelligent, das sind Turbostaat. Irgendwo zwischen Slime, Hot Water Music und Muff Potter - so klingt der Staat. `Haubentaucherwelpen` mit hoher politischer Aussage und Ohrwurmqualitäten macht glücklich und sauer zugleich. Die Flensburger haben textlich wie auch musikalisch einiges auf dem Kasten. Vertrackt und trotzdem nach vorne rocken ist hier die Devise. Dort, wo beispielsweise Muff Potter eher einen Schritt in Richtung Pop machen, haut dir Turbostaat voll auf die Fresse! Lyrisch erschließen sich die deutschsprachigen Texte meist nicht nach einmaligem Hören. Aber diesen Anspruch sollte doch gute Musik haben, sich an ihr messen, mit ihr wachsen und mit jedem neuen Durchlauf offenbart sich mehr und mehr die tiefgründige und raue Schönheit eines Albums. Es macht froh, wenn es Bands gibt, die keine Kompromisse mit Plattenfirmen eingehen, sondern ihr Ding machen. „Husum! Verdammt!“ kotzt sich Jan bei `Insel` aus und hier kommt ein echter Brocken Musik, der dem Hörer hart und mit viel Noise voll in den Bauch tritt! Menschen, die mit offenen Augen durch die Welt gehen und in ihren Texten immer wieder Rätsel aufgeben, die es mit Spaß zu entschlüsseln gilt! Denn Spaß verstehen auch Tobert, Roli, Marten, Jan und Peter, was ja schon allein die Betitelung ihrer Songs zeigt. Kleine Kostprobe gefällig?! `Hau Ab die Schildkröte`, `Schalenka Hase` oder `Ja Roducheln!!`. 3:0 für den Staat, den Turbostaat. Es sollte mehr Menschen geben, die so an ihren Prinzipien und an dem festhalten, was sie sind. Ein Kniefall vor guter deutschsprachiger Musik!
(Daniel Rade)

 

 

Verfasser: Mirko Hoffmann, Daniel Rade

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