VERSPULT, VERRÜCKT UND VIRTUOS

 

Ween in der Live Music Hall, Köln // 12.05.2008

 

Die netten Herren von Ween dürften mittlerweile jedem Musikfreund ein Begriff sein, der sich für herrlich verspulte, variantenreiche Rockmusik begeistern kann. Dass die fünf Kollegen einen dezenten kreativen Lattenschuss haben, lässt sich angesichts solcher Titel wie dem „HIV Song“ kaum leugnen; dass sie aber zudem unglaublich gute Musiker sind, stellten sie einmal mehr im Rahmen einer kurzen Europa-Tour mit Stop in der atmosphärischen Kölner Live Music Hall unter Beweis.

 

Für ihre einzige Show in Deutschland hatten Ween sich den Pfingstmontag ausgesucht, was wohl keine schlechte Wahl war: Die Live Music Hall war gerammelt voll, und ein buntes Publikum zwischen 20 und 50 Jahren begrüßte die Band mit viel Applaus und einem allgegenwärtigen süßlichen Potgeruch in der Luft. Eine Vorband gab’s nicht, was auch nicht weiter störte, denn die folgenden zweieinhalb Stunden gehörte die Bühne einzig und allein den Herren aus New Hope, Pennsylvania. Michael Melchiondo alias Dean Ween kam eingegipst und bandagiert mit ein bis zwei gebrochenen Füßen und durfte im Sitzen musizieren, was das nun folgende Klangerlebnis aber in keinster Weise beeinträchtigte.

Ohne viel Gerede zwischendurch spielte die Band sich zweieinhalb Stunden lang durch ihre mittlerweile elf Alben, ohne auch nur irgendeinen kleinen Hit außen vor zu lassen. So gab’s „Piss Up A Rope“ und „Even If You Don’t“ genauso auf die Ohren wie „Voodoo Lady“ (inklusive virtuosem 8-Minuten-Solo von Mr. Dean Ween), den „HIV Song“ und all die kleinen Musikperlen, die Ween in ihrer mittlerweile 24-jährigen Bandgeschichte geschaffen haben. Mal bluesig, mal folkig, mal country-mäßig und immer gerne verdammt rockig spielten sich Ween durch ihr langes Set und ließen dabei mehr als einmal die Kinnlade nach unten fallen: Etwas verrückt sein kann schließlich jeder, dabei allerdings auch noch ein hervorragender Musiker zu sein, schaffen die Wenigsten – kein Problem für Ween. Die zogen ihre Songs problemlos in die Länge und servierten Soli aller Art auf hohem Niveau. Dem Publikum gefiel das sichtlich und so entließ es die Band dankbar und lautstark, nachdem diese den Abend mit dem grandiosen „Buenas Tardes Amigo“ beendet hatte. Ein großartiges Konzert.

 

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