Clap Your Hands, Say Yeah!
Apologies, I Have None in Münster // 08.10.2012
Support: Goodbye Fairground, Dead Koys
„Wenn wir in Deutschland von der Bühne gehen, klatschen die Leute immer. Die bleiben da stehen und klatschen“ - dieser Satz von Josh McKenzie zu Beginn der Zugabe war bezeichnend für den Auftritt von Apologies, I Have None in Münster, in mehrfacher Hinsicht.
Den Auftakt im Lorenz-Süd machten die Dead Koys: Das hat einiges gemeinsam mit Leatherface, abgesehen vom Altersschnitt, der ungefähr ein Viertel der Herren um Frankie Stubbs beträgt. Musikalisch gibt es hier nichts zu beanstanden – der hymnische Punkrock schreit heiser danach, öfter gehört zu werden. Allerdings bewegen sich die Herren ungefähr so viel wie die Herren im Seniorenstift von Frankie Stubbs' Vater.
Bei Goodbye Fairground wird der vorband-typische Halbkreis vor der Bühne schmaler. Sänger Benjamin unternimmt den ein oder anderen Ausflug ins Rund, auch weil hier eine Hand voll textsicherer Fans mitsingt. Und auch hier regen die Against-Me-Anleihen zum weiterhören an. Das Loch vor der knöchelhohen Bühne schließt sich dann endgültig, als Apologies, I Have None mit ihrem ersten Song loslegen. Und schon das folgende „Sat In Vicky Park“ steht symbolisch für den Auftritt der jungen Band: Beim Fast-A-Capella-Mitgröl-Part am Ende schreien die Bandmitglieder erst direkt in ihre Mikros. Als sie merken, dass die Leute textsicher mitsingen, gehen sie selber auch zwei Meter zurück und lassen das Grade-Zitat „My relationship with reality it comes and goes“ unverstärkt durch den gut gefüllten Raum hallen. Und hier drängt sich ein Eindruck auf, der sich in den folgenden Minuten bestätigt: Die Band freut sich, aber gerade die beiden Hauptsänger Josh und Dan Bond scheinen dem Braten nicht richtig zu trauen. Wie ein verhuschter Teenager, der nicht so recht glauben mag, dass sein neuer Bekannter ihn wirklich zu mögen scheint.
Das erscheint gleichermaßen irritierend wie sympathisch und zieht sich auch durch die nächsten Songs, durch die vielen mitgesungenen Oooohs und Aaaahs. Dennoch scheint die Band nur langsam zutraulicher zu werden. Und erst mit dem eingangs zitierten Satz zur Zugabe legen Apologies, I Have None dann auch die eigene Zurückhaltung ab. Auf die Frage, was sie noch spielen sollen, ruft einer aus de Publikum: „Das ganze Set nochmal“ - und Bassist PJ Shepherd kontert lachend: „Wie? Nur einmal?“ Dan Bond gibt erstmal zu, dass „Concrete Feet“ eh noch auf der Setlist stand. Als das Publikum aber weiter klatschend stehen bleibt, legt die Band noch "Holloway Or Anywhere" nach. Das Set davor bestand abgesehen vom Eingangs-Song ausschließlich aus Material ihres aktuellen Albums „London“. Insgesamt spielte die Band auch nur rund 45 Minuten – die aber umso überzeugender. Noch in diesem Jahr wollen sie zusammen mit Crazy Arm zurückkommen. Dafür sollte man sich Platz auf dem Kalender einräumen – viel nehmen sie (quantitativ) ja nicht ein.
Kommentare