Goodbye Fairground
We've Come A Long Way
DIY
Fünf Jungs, ein Girl, kurz Goodbye Fairground aus Essen, schaffen den Spagat zwischen nostalgischen Tresenweisheiten und moderner musikalischen Verpackung.

Heute Morgen: "Wenn der Pott mal wieder raucht"- eine wunderschön klassische Lokalpressenüberschrift, die entweder an einen Abgesang auf die zu Grunde gehende Kohlenromantik denken lässt, oder aber zwischen Trinkraum, letzten Eckpinten und der gesellschaftlichen Mitte vermitteln will. Viel wichtiger, richtiger und naheliegender in unserem (Punkrock-)Kontext könnte die Überschrift aber auch einfach bedeuten, dass sich das Ruhrgebiet endlich mal wieder eine Band gönnt, die sich mit Wut zwischen alkoholgetränkter Vergangenheitsromantik und aktuellen musikalischen Strömungen zu beweisen weis.
Vier Jungs, ein Girl, kurz Goodbye Fairground aus Essen, schaffen genau diesen schönen Spagat zwischen romantischer Bildsprache und einer für Punkrockverhältnisse modernen musikalischen Mixtur. Die vier Songs auf der Debüt-EP "We've Come A Long Way" pendeln irgendwo zwischen straightem Rock'n'Roll, Post-Core und einem kleinen Schuss Indie-Rock und geben sich alles andere als grau. Während der Opener "Debt & Dignity" noch recht schnörkellos nach vorne geht, gönnt man sich beim zweiten Track gar einen Ausflug auf die Tanzfläche. Geschwitzt und verraucht begibt man sich dann Richtung berlinferne Afterhour und beweist mit "Aeroplane" und dem an Gaslight Anthem erinnernden, hymnischen Titeltrack gainesville-sche Tiefgang- und Storytellerqualitäten, die sich aber knapp gegen die Partytauglichkeit der ersten beiden Gassenhauer geschlagen geben müssen.
"We've Come A Long Way" ist eine schöne EP geworden, die (romantisch gesprochen) die Luft der Region atmet, aber auch gern mal nach Übersee schielt. Da kommt sicher noch mehr. Achja: Das Ding gibt es im übrigens für umme im Netz.
Text: Nele Posthausen
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