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Deftones live @ Palladium, Köln 2016

Eigentlich führen die Deftones live ihr neues Album Gore spazieren, doch von der Leine lassen sie eher das ältere Zeug. Stört im Kölner Palladium keinen… im Gegenteil.

Ursprünglich sollten 65daysofstatic die Deftones live bei den Shows, die nach dem Bataclan-Angriff verschoben wurden, unterstützen. Three Trapped Tigers sind ein ebenbürtiger Ersatz – das britische Trio serviert dem Palladium eine wilde Instrumental-Nuss. Die müssen viele erst einmal knacken. Wirbelndes Livedrumming mit einer Menge Breakbeats als Basis für noisiges Gitarrengekniedel und teils atonale Synthie-Sounds: Mainstream geht anders.
Die Mikros werden spärlich genutzt für ein paar Ooooohs und Aaaaaahs und eine schüchterne Verabschiedung, dass man sich bei der nächsten Begegnung wahrscheinlich in kleinerem Rahmen wiedersehen wird.

Licht aus. Deftones live. Chinos knallblonde Frise und Stephen Carpenters im Wind des Ventilators wehende Mähne sehen zwar beeindruckend aus, haben aber null Chance gegen Sergio Vega. Seine Afrolocken in Neonpink leuchten wahrscheinlich bis in die letzten Reihen des Palladiums. Es geht los mit einem kurzen Hearts/Wires-Ausflug ins aktuelle Album Gore, aber schon darauf gibt es mit Rocket Skates den ersten Diamond Eyes-Hit. Und dann mit My Own Summer (Shove It) sowie Be Quiet and Drive (Far Away) legendäres Zeug.

Auf dem Drumriser, im Publikum oder in typischer Shouterpose vornübergebeugt am Bühnenrand: Chino Moreno gibt gewohnt alles. Bei einigen Songs greift er selbst zur Gitarre und unterstützt Stephen Carpenter, was eigentlich gar nicht notwendig ist: Die Anzahl der Bands, die mit nur einer Gitarre so einen Sound fahren können, ist nicht die höchste. Dass Stephen Carpenter mit dem neuesten Album Gore selber nicht soooo viel anfangen kann, fällt an diesem Abend nicht auf. Sergio Vega, auch wenn man bei den Deftones immer an Chi Cheng denken wird, ist grandios. Zusammen mit Abe Cunningham verleiht er der Band so einen Groove, dass viele selbst in den brachialsten Parts noch tanzen. Matschen oder Fiepen tut bei diesem nahezu perfekten Bandsound (Frank Delgados subtiler DJing-Ansatz ist bei den Deftones live eher unbewusst wahrnehmbar) nix.

Letztendlich werden es 21 Songs, die die Deftones mit Wucht abfeuern. Die Zugabe ist ein einziges Highlight mit Material des mittlerweile 21 Jahre alten (!) Deftones-Debüts Adrenaline: Publikums-Liebling Bored sowie Root und Engine No. 9, das als Abschluss zum Crossover-Mashup mit Cypress Hills How I Could Just Kill A Man mutiert, sind ein heißer Abschluss. So heiß, dass selbst das anstehende Solo-Konzert von Chino Moreno in (in!) einem Vulkan, sich temperaturtechnisch anstrengen muss.

Fotos – Deftones live @ Palladium, Köln // 14.06.2016