Foto: Mathias Schumacher

Ist das wirklich böhse? Frei.Wild und die rechte Gesinnung

„Aber SO sind die ja gar nicht“, heißt es sofort, wenn man Freiwild kritisiert. SO im Sinne von Landser, Störkraft, Gigi und NSU sind sie auch nicht. Es macht die Sache aber auch keinen Millimeter besser.

Dass Sänger Philipp Burger früher in der Rechtsrock-Band Kaiserjäger gesungen hat, ist hinlänglich bekannt. Dass er Mitglied der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheitlichen“ war ebenso. Und Freiwild distanzieren sich ja auch immer und immer wieder öffentlich – in Songs wie in Interviews – von jedem rechten Gedankengut. Also alles gut? Nein.

Sie lieben ihre Heimat Tirol, sagen sie. Überall auf der Welt würden die Menschen ihre Heimat lieben, nur Deutsche wären zu nationalem Selbsthass und zu Anti-Patrioten erzogen worden. Die unpolitische Haltung von Burger wird in einem Statement im Forum des Freiwild-Supporters-Club deutlich, das bezeichnend ist: Zu sehen ist das Foto eines Flyers mit der Aufschrift „Lieber Autofahrer, ich habe ihre Deutschland-Fahne entfernt […] sie produziert Nationalismus“. Dazu faselt Burger, dass Patriotismus nicht verwerflich sei und dass Heimatliebe verbinde.

Den ach so ungezwungenen Fußball-WM-Patriotismus hat das Institut für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld ja als „gefährlichen Unsinn“ entlarvt.

Dennoch beschwert sich Burger: „Meiner Meinung nach langt es auch irgendwann mit dieser ewigen ‚Selbstscham‘ und diesem niemals enden wollenden ‚Selbsthass‘ jedes deutsch sprechenden Bürgers. Ich, wir, Du, wir alle waren nicht dabei, kapiert das vielleicht jemand da draußen???“ Und genau das ist bezeichnend:: Keine offene Fremdenfeindlichkeit, keine Parolen. Vielmehr dieser „Damit muss endlich Schluss sein“- oder „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“-Gestus, mit dem stock-konservative und rechtspopulistische Rattenfänger unterwegs sind.

Auch das folgende Zitat steht für sich: „Ich kann mich nicht erinnern, dass sich Italiener, Russen, Amerikaner oder z.B. auch Chinesen ihrer Herkunft geschämt hätten, obwohl deren Diktatoren und Regime gleich viele und um viele Millionen Menschen mehr auf dem Gewissen haben, als es unter Scheiss- Hitler- Deutschland der Fall gewesen ist.“ Hier wird mit einem Handstreich der Holocaust relativiert – aber wer gleichzeitig Scheiß-Hitler sagt, kann ja kein Nazi sein.

Vielsagend ist auch der folgende Screenshot von Burgers Facebook-Seite. Der Post an sich spricht Bände, was seine Gesinnung angeht. Aber es stand ja in der Zeitung, kann also nicht so schlimm sein. Der Applaus der Leser ist ihm natürlich auch sicher (von dem distanziert sich Burger übrigens mit keiner Silbe) – und verhält es sich nicht ähnlich auch mit Freiwild?

 Sie haben nur das Feuerzeug in der Hand. Dass andere daran ihre Fackel anzünden, ist nicht ihre Schuld – sie lassen es aber bereitwillig zu. Sie bereiten den Boden, auf dem die braunen Pflanzen gedeihen können.

Jetzt stehen sie auf Platz zwei der deutschen Charts. Und da bleibt mir nur noch, Nicholas Müller (Jupiter Jones) zu zitieren: „Wer sich nicht klar distanziert, distanziert sich überhaupt nicht. Das gilt für die Band genau so wie für ihre Hörer. Bah!“