H20 in Essen, Foto: Jens Becker

H20 in Essen 2012

Vollgepackter Abend in der Zeche Carl – zumidnest was das Line-Up betrifft. Für fünf Bands reicht allerdings auch der kleine Raum aus, was jedoch nicht an der Qualität der Bands liegen kann.

Zeche Carl, Essen // 07.08.2012, Support: Death By Stereo, Cruel Hand, First Blood, Get It Done

Cruel Hand in Essen, Foto: Jens Becker

Cruel Hand in Essen, Foto: Jens Becker

Die Ruhrpott-Straight-Edger Get It Done liefern einen soliden Auftakt inklusive Black-Flag-Cover und bedanken sich artig bei Death By Stereo fürs Überlassen der kompletten Backline. Bei den folgenden First Blood und Cruel Hand zeigt sich vor allem im Publikum das gleiche Bild: eine Handvoll Fans steht direkt vor der Bühne, der Großteil der Anwesenden drängt sich am Mischpult, dazwischen: die fünf- bis siebenköpfige Trainingshosen-Fraktion, die in unregelmäßigen Abständen in der Mitte ihre Windmühlen und Möchtegern-Roundhouse-Kicks vollführt. Und ohne die leidige Violent-Dancing-Diskussion führen zu wollen: Wenn ihr schon ein Areal mit knapp 20 Metern Durchmesser überlassen bekommt, tut es dann wirklich noch Not, teilweise mit den Füßen zuerst in die an den Rand gedrängten anderen Besucher reinzuspringen?

Haltung zeigt dagegen vor allem First-Blood-Shouter Carl: Erst mit dem Aufruf, niemals bei Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wegzusehen, dann mit der Ansage, sein Vater habe als Soldat in Vietnam gedient, weil er für seine Ideale gekämpft habe. Carl kämpfe auch für Ideale, aber eben gewaltlos – Gewalt führt zu Opfern, niemals zu Gerechtigkeit.

Bei Death By Stereo übernimmt Sänger Efrem schließlich die Rolle der Jogginghosen-Fraktion: Als nicht genügend Leute seiner Aufforderung nachkommen, ein paar Schritte nach vorne zu machen („Entgegen weit verbreiteter Aussagen: Wir beißen nicht!“), springt er von der Bühne, rennt durchs Publikum, klettert auf das Gitter am Mischpult, Gitarrist Dan grinst in seinen Zwirbel-Moustache – kurz: Die Band macht alles, was neben Songs zu einem guten Konzert gehört. Seine Ansage über Emo-Fans („I say emo, you say booo“) hätte sich Efrem zwar sparen können. Im Gegenzug gibt’s neben eigenen Songs mit „Modern Man“ von Bad Religion und Slayers „Raining Blood“ zwei Cover und ein skurriles Ende: Der Mitarbeiter der Zeche Carl, der bei allen Bands penibel auf die Einhaltung des Zeitplans achtet, hat die anderen Musiker darauf hingewiesen, dass ihre Zeit für heute um ist. Efrem selbst hat das nicht mitbekommen und merkt – kurz bevor er den letzten Song ansagen will – dass seine Band schon verschwunden ist.

H20 in Essen, Foto: Jens Becker

H20 in Essen, Foto: Jens Becker

Bei H2O übersteigt die Zahl der Stagediver dann locker die der Songs. Trotzdem ist Toby Morse nicht wirklich mit der Begeisterung der Fans zufrieden – und macht deswegen mit: Als sich bei einem Circle Pit nicht genug Leute beteiligen wollen, springt er eben selbst mit rein: „You’re forcing a 42-year-old man into a circle pit!“ – in einen ziemlich harmlosen übrigens. Über ihr gesamtes Set ist die Stimmung gut, wenn auch nicht überragend. Da H2O im Gegensatz zu ihren Vorbands noch etwas Zeit haben, streuen sie auf Zuruf „5 year Plan“ ein. Zu „Guilty By Association“ kommt Chris von Cuel Hand auf die Bühne und übernimmt den Part von Freddy Madball. Und auch das Ende der Show wirkt etwas überraschend: Nach der mittlerweile üblichen Zugabe „What Happened“ geht ein Großteil des Publikums – der Song ist schließlich sonst der Rausschmeißer. Die Reaktion von Band und Crew wirkte für einen Moment, als wäre noch der ein oder andere Song drin gewesen. Stattdessen ging nach kurzer Wartezeit das Licht und Musik vom Band an – wie in allen Umbaupausen vorher auch ein Mix aus verschiedenen No-Use-For-A-Name-Alben.

Mehr zu H2O Mehr zu Death By Stereo