Alex Amsterdam

Interview mit Alex Amsterdam 2016

Eigentlich findet Alex Amsterdam Remixe überflüssig, hat aber trotzdem mit „Rockstar“ selber einen produzieren lassen. Als Produzent hat er seinen Cousin Leo Prasuhn engagiert – nicht seinen Vater, den Kinderliedersänger Volker Rosin. Das ganze wirft natürlich ein paar Fragen auf.

GETADDICTED: Im Video zur „Rockstar“ sind viele alte Fotos und Videoschnipsel von dir zu sehen. Erzähl mal von einem „Dokument der Zeitgeschichte“, das es nicht ins Video geschafft hat, weil es zu peinlich war. Du kannst ja hier beschreiben – man sieht ja nix.
Alex Amsterdam: Es gibt kaum Fotos oder Videos, die mir unangenehm wären. Mir ist generell fast nix peinlich. Das kommt halt davon, wenn man sein ganzes Leben schon einen kinderliedersingenden Daddy hat und man in seiner Grundschulzeit ordentlich damit aufgezogen wurde. Da legt man sich ein dickes Fell zu. Auch im Hinblick darauf gegen Kritik (z.B. an meiner Musik) abgehärtet zu sein. Wenn mich heutzutage Leute wegen meinen Songs anmachen oder ich mir Mist von irgendwelchen Bookern oder s.g. „Entscheidern“ anhören bzw. lesen muss, geht mir das sowas von am Arsch vorbei.

Deutscher, naiver, dummer, irrelevanter Einheitsbrei

GETADDICTED: Du wolltest immer Rockstar werden. Ist die elektronische Ausrichtung jetzt der letzte verzweifelte Versuch, doch noch ganz ganz groß rauszukommen?
Alex Amsterdam: Natürlich. Ist mir doch latte, womit ich berühmt werde. Ich mache Musik nur aus einem Grund…ok, aus zweien. Fame und Kohle. Haha. So denken jedenfalls bestimmt eine ganze Menge Leute über mich. Natürlich ist das Quatsch. Wenn ich einfach nur „ganz (GANZ) groß rauskommen“ wollte, hätte ich schon vor Jahren auf gewisse Berater gehört, deutsch gesungen und naiven, dummen und irrelevanten Einheitsbrei produziert, der sich zwar gut im geschmacksunsicheren Mainstream verkauft, aber leider die Seele abtötet. Anyway. Ich wollte mal wieder was Neues ausprobieren. Daher der Remix. Und auch um etwas zu provozieren. Die ganzen Möchtegern-Indie-Nasen-Heilsbringer fanden mich eh schon immer scheiße und hassen mich jetzt garantiert noch mehr. Das ist für mich sehr motivierend und amüsant zu gleich. Für mich war und ist der Song in dem Remix ein einmaliger Ausflug nach Takatukaland. Wem es gefällt, dem gefällt’s, wem nicht…erzähl‘s deinem Frisör bzw. Hipster-Barber.

Alex AmsterdamGETADDICTED: Welcher international bekannte Produzent (dead or alive) sollte mal einen Song von dir remixen?
Alex Amsterdam: Ganz ehrlich? Ich hab nicht den leisesten Schimmer. Ich selbst fand so Remix-Versionen von Songs schon immer kacke. Trotz alledem wollte ich es mal bei meinem meiner Songs probieren. Es gab letztes Jahr schon mal einen Versuch für meinen Song „Soul For Sale“. Aber das hat nicht geklappt bzw. es passt nicht zum Song. Ich bin auch nicht so der Namedropper was Produzenten, namhafte Studios etc pp angeht. Vielleicht auch weil ich da kaum Ahnung von habe. Aber mir ist egal, ob ich im Maarweg, in der Abbey Road, der Tresorfabrik in Duisburg oder sonst wo aufnehme. Hauptsache es klingt am Ende des Tages so, wie ich es mir vorgestellt habe.

20 Jahre nach Rockstar von Jimmy Eat World

GETADDICTED: Ich finde Düsseldorf ja auch nicht toll. Aber isses da wirklich so schrecklich, dass du fast die ganze Zeit auf Tour bist?
Alex Amsterdam: Warum die lieben Kölner immer so einseitig gegen Düsseldorf schießen müssen, weiß ich auch nicht. (Ich bin Ruhrpottkind, das in Köln lebt. Anm.d.Verf.) Vielleicht weil ich als D-Dorfer sooft in Kölle spiele und dort bessere Konzerte als auf der „falschen Rheinseite“ habe? Spässken. Mir, als alter Ostwestfale, ist dieser seltsame Zwist eh schon immer wumpe gewesen. Und auf Tour gehe ich so gerne, weil ich es liebe unterwegs zu sein. Voran zu kommen. Einer der wenigen, deutschsprachigen Songwriter, die ich ertragen kann sang mal „Vorwärts ist keine Richtung“. Finde ich schon. Ich bin ungern lange an einem Fleck.

Und das Touren ist für mich der Inbegriff vom Musikersein. Ich bin nicht gern im Studio, ich probe nicht gern. Ich spiele gerne live. Das ist, worum es für mich am meisten bei meiner Musik geht. Klotten packen, los juckeln und in fremden Städten fremden Menschen meine Songs um die Ohren zuhauen. That’s it. Wohnen tue ich hier allerdings sehr gern. Ich hab meine Familie nah bei mir und einfach meine Ruhe. Ich gehe weder auf die KÖ noch auf die Bolker Straße. Und am liebsten trinke ich weder Kölsch noch Alt….sondern Pils! (Ich als in Köln lebendes Ruhrpottkind trinke übrigens am liebsten Alt! Anm. d. Verf.)
GETADDICTED: Auf dem Instagram-Account deines Cousins gibt’s dieses Video. Sehen bei euch Familienfeste wirklich so aus? Und welche Songs performt ihr dann außer Udo Jürgens?
Alex Amsterdam: Ja, so laufen Familiensausen bei uns in der Tat oft ab. Kommt immer auf die Stimmung an. Aber da wir bei uns ja alle oder viele Musik machen und wir dadurch quasi alle Selbstdarsteller sind, läuft es halt oft so. Und es macht einfach Spaß, da wir uns nicht sonderlich ernst nehmen. Besonders wenn wir unter uns sind. Ich weiß, dass einige Leute damit nicht zurechtkommen und mich sowie meinen Vadder, Cousin usw. aufgrund unserer Art nicht leiden können. Aber auch hier sei so freundlich und respektvoll wie möglich gesagt…verpisst euch! Empfehlung: Blockierung/Löschung unserer Profile und alles wird gut. Und allen anderen: Gute Unterhaltung weiterhin!

GETADDICTED: „Static Prevails“ von Jimmy Eat World mit dem Song „Rockstar“ ist kürzlich 20 Jahre alt geworden. Sag mal fünf Alben, die bei dir vor 20 Jahren Heavy Rotation waren – und fünf, die es heute sind.
Alex Amsterdam: Da ich selber großer JEW-Fan bin, war mir das bereits durchaus bewusst. Auch wenn „Static Prevails“ nicht mein Lieblingsalbum der Jungs ist. Aber zur Sache, vor 20 Jahren war ich 15 Jahre alt. Sprich, das wird jetzt ganz, ganz bitter.  Und ab dafür:

1. Roxette – Joyride
2. Bravohits 2 – ??
3. New Kids On The Block – Step By Step
4. div – Above The Rim (Soundtrack)
5. Take That – Nobody Else

Und nun meine (random) Favoriten, alt und neu. Auch wenn das einfach zu schwierig ist, da ich sehr stimmungsschwankig bin und quasi jeden Tag was anderes geil finde.

1. Arctic Monkeys – AM
2. Jimmy Eat World – Bleed American
3. Oasis – Be Here Now
4. Ben Folds – Rockin’ The Suburbs
5. Queens Of The Stone Age – Songs For The Deaf

Okay, das waren jetzt wohl eher All-Time-Favs. Hier nun noch mal 5 von etwas aktuelleren Platten, auch wenn es in letzter Zeit nicht mehr viel Gutes gab. Für meinen Geschmack jedenfalls.

1. Bear‘s Den – Red Earth & Puring Rain
2. Spring King – Tell Me If You Like To
3. Blink 182 – California
4. Ryan Adams – 1989
5. Weezer – White Album

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