Bouncing Souls, Foto: Nadine Welsch

Interview mit Bouncing Souls 2006

Nachdem ich eine halbe Stunde am Merchandise auf den Sänger der Bouncing Souls Greg gewartet hatte und er auf mich am Tourbus, liefen wir uns dann doch am Eingang über den Weg.

GETADDICTED: Also, wie geht es Dir? Im Tourstress? Wie war der Soundcheck? Irgendwas Besonderes zu berichten?
Greg: Nun, heute ist ein so was von stressfreier Tag, weilwir Opener für die MISFITS sind, hängen quasi nurrum, müssen noch nicht mal einen Soundcheck machen, garnix. Wir hatten ein sehr, sehr leckeres Abendessen und daswar’s. Heute ist ein guter Tag.
GETADDICTED: Habt Ihr schon mal in diesem Laden gespielt?
Greg: Ja, und zwar mit, STROUNG OUT & COHEED&CAMBRIAvor 1-2 Jahren.

GETADDICTED: Wie fühlt es sich an, mit Legenden wie den MISFITS zu spielen?
Greg: Es ist cool, wir haben schon in Amerika mit denen gespielt,es ist wirklich cool, sie kommen auch aus New Jersey, dasist recht spaßig. Wr labern ein bisschen „Jersey“mit inen.

GETADDICTED: Zum neuen Album. Wie seid Ihr auf den Titel gekommen?
Greg: Nun, wir haben ein bisschen rumgealbert, irgendwannkam es zu „Mhhh…Wir haben noch kein Goldalbumeingespielt, könnte man nicht … dann hätten wir…. ach, vergiss es, ist albern…“, doch dann ist dasirgendwie hängen geblieben. Aber es hat natürlichauch eine nicht so oberflächliche Bedeutung: Gold alsso eine Art Symbol für den Erhalt des jugendlichen Bewusstseins(„Spirit“), und genau das war schon immer eingroßer Teil dessen, um was es bei den BOUNCING SOULSgeht. Also, es blieb hängen, es haut hin!

GETADDICTED: Inwiefern haben sich die BOUNCING SOULS verändertzwischen „Anchors Aweigh“ und der neuen Scheibe?

Greg: Naja, ich denke, da liegt es bei jedem Einzelnen, dasfür sich Selbst herauszufinden. Was ich weiß ist,dass wir einfach eintauchen, wenn wir Musik schreiben, esist doch auch so: Man schaut auf sein bisheriges Leben zurückund betrachtet Fotos all dieser Jahre, man sieht auf jederdieser „Etappen“ unterschiedlich aus, und das,so fühle ich, macht eine Band interessant, das machtauch eine Person interessant.

GETADDICTED: Lass mich diesen Vergleich mit den Fotos aufgreifen:Wo findest du, sehen die Bouncing Souls auf ihrer momentanen„Gold-Etappe“ am Besten aus?

Greg: Das Album ist farbiger, und wir haben einen Produzentenmit Ted Hutt, der uns sehr geholfen hat, Dinge, in denen wirgut sind, herauszukitzeln und uns selbst herauszufordern.

Unsere Stärken? Wir haben mehr Midtempozeug, es gibtnen Akkustiktrack, es fasst das, was wir an Musik so lieben,sehr gut zusammen. Das haben wir immer so gemacht: „Wow,das klingt interessant, lass uns mal nen Song in dem Stilausprobieren.“

GETADDICTED: Welche sind deine eigenen Favoriten auf dem Album?

Greg: Das ist immer so schwer für den Musiker selber,wenn man noch nicht den Abstand zu den neuen Sachen hat. Ichkann nur sagen, dass ich alle Songs sehr sehr mag.

E-MAIL AUS DEM NICHTS

GETADDICTED: Es gibt da eine gar nicht so kleine Hintergrundgeschichtezu „Letters From Iraq“

Greg: Ja, wir hatten vor ein paar Jahren ein Konzert in Schweinfurt,und es waren halt auch einige dort stationierte Soldaten imPublikum. Wir unterhielten uns. Sie erzählten, dass siein der nächsten Woche ihren Einsatz im Irak beginnenwürden, sie waren also dementsprechend gestresst undfertig mit den Nerven. Sie berichteten uns, unter welcheneigentlichen Vorraussetzungen sie der Armee beigetreten waren,und erst später erfuhren, dass sie in den Krieg ziehenmüssten. Wir blieben mit den Jungs in Kontakt und schicktenShirts und so was in den Irak. Ein paar von den Jungs schriebenhalt Tagebuch, und wir erstellten auf unserer Website so einTeil namens „Letters From Iraq“, wo sie ihre Erlebnisseveröffentlichen konnten. Wir fingen irgendwann an, fürdas neue Album zu schreiben und dachten uns, dass wir gerneeinen Song hätten, der unsere Einstellung zu diesem Kriegausdrückt. Doch so ein Text von uns wäre unglaubwürdiggeworden, da wir einfach keinen Schimmer haben, was in einemKrieg passiert. Es hätte nichts bedeutet, wir sitzenin Amerika, schauen CNN, aber das war’s…Ausgerechnetan diesem Tag erhielten wir aus dem Nichts eine E-Mail vonGarett in der stand: „Leute, ich hier schreibe so einpaar Zeilen, vielleicht gefällt Euch das ja“ undwir meinten einfach nur „Heilige Scheiße, genauso machen wir es“, und die Worte passten wie die Faustaufs Auge.

GETADDICTED: Also hast du dich gar nicht am Text „vergriffen“?

Greg: Nein, der ist so geblieben, wie Garett ihn geschriebenhat. Wir haben nur die Musik dazu geschrieben und fertig.

 

„AND NOW FOR SOMETHING COMPLETELY DIFFERENT …“

GETADDICTED: Zu was komplett anderem: Morgen geht´sfür mich zu nem Festival. Sag sppontan fünf Dinge,die in meinen Rucksack gehören.

Greg: Also wenn es mein Rucksack wäre, ich würdeeine Gitarre einpacken, aber die passt ja nicht in den Rucksack….Wasser; etwas Leckeres zu essen, dass aber nicht auslaufen,umkippen, etc. kann; wenn man Bier mag, denk ich mal einevariable Anzahl an Bierdosen; und natürlich was zu lesen…achnee doch nicht…

GETADDICTED: Fünf Bands, mit denen du gerne bei einemFestival spielen würdest…

Greg: Mit den Bouncing Souls zusammen? Okay…Wir habenso ziemlich mit allem gespielt, was es gibt und bei den neuenBands … da fällt mir jetzt keine ein…

GETADDICTED: Nein, nein, lass deiner Fantasie freien Lauf,können Metallica von 1982 sein

Greg: Led Zeppelin, Elvis, Jimmy Hendrix and Bob Marley.

GETADDICTED: Fünf Gerichte, die du auf deinem Wunschcateringhättest?

Greg: Pizza von einem kleinen Laden in New York, frischesGemüse für Salat, ganz frisch gebackenes Brot undein paar leckere Käsesorten…

GETADDICTED: Auch wenn ich jetzt den Nichttrinker der Band vormir hab: Fünf Getränke für eine dicke Party!

Greg: Eine gute Party braucht Getränke für jeden!Klar Bier, ein wenig Schnaps, aber auch Wasser und Säfte.

GETADDICTED: Dein persönliches Lieblingsgetränk?

Greg: Ich mag Tee.

GETADDICTED: Fünf Musiker/Künstler, von denen dieBouncing Souls sehr beeinflusst wurden…

Greg: Johnny Cash ist für uns alle ein ganz Großer,The Clash denk ich mal, The Damned mögen wir alle…äähhh…ja…sohalt…

GETADDICTED: Auch wenn du nicht so der Experte bist, wie dumeintest, fünf neue Alben die du in letzter Zeit gutfandest.

Greg: Ich fand das THE STREET DOGS Album sehr gut. Die kommenaus einem Vorort von Boston, deren Sänger ist der Ex-Frontmannbei den DROPKICK MURPHYS, der Drummer war mal bei den MIGHTYMIGHTY BOSSTONES, momentan nehmen die auch ein neues Albumauf und zwar mit bereits erwähntem Ted Hutt, das wirdbestimmt interessant. Mehr fällt mir da jetzt nicht soein…

ACID, EXTASY, PILZE, TABLETTEN – ALLES!

GETADDICTED: Okay, dann noch zwei obligatorische Fragen,die jeder Interviewte bei getaddicted.org gestellt bekommt.Welcher Droge bist du verfallen?

Greg: Äääääähh…ich binwahrscheinlich süchtig nach meiner Frau.

GETADDICTED: Ist sie mit in Europa?

Greg: Nene, ich bin süchtig danach, Gitarre zu spielen, Musik zuschreiben, was beides gute Süchte sind. Ich weiß nicht, alleine sein,klingt zwar komisch aber ich brauch das und krieg nie genug….

GETADDICTED: Dann ist Tourleben nicht so angebracht.

Greg: (lachend): Die Hölle! Nein, ichgenieße es so sehr, mit diesen Leuten unterwegs zu sein,aber ein bisschen Abstand und Ruhe ist auch sehr wichtig.Ich denke, das hat jeder auf eine gewisse Weise. Nun ja, dunkleSchokolade…Ich hab früher viel zu viel getrunkenund geraucht, aber dann konnte ich nicht auftreten…das sindSüchte die ich bewältigt habe.

GETADDICTED: Zu welcher Zeit war das?

Greg: Ich glaub ich hab ´97 mit dem Rauchen aufgehörtund vorher zehn Jahre lang extrem viel geraucht. Das war schwer.Wir gingen auf Tour und dann auch noch mit den PIETASTERS.Die Jungs feiern, immer, überall, und Alles! Acid, Extasy,Pilze, alles das, Tabletten. Und ich mit meinem „Nunja Rauchen tu ich nicht mehr und mit dem Trinken mal ein bisschenaufpassen“ … Oh mann, wie bekloppt auf diese Tourzu gehen. Aber es war auf der anderen Seite auch wieder garnicht so schwer, weil mir die Extreme vor Augen gehalten wurden!Jeden Abend! Mannmannmann. Ich hab diese Entscheidungen fürdie Musik getroffen. Für mich war es so, wenn ich besserwerden wollte, musste ich aufhören. Und ja, der Körperist fit, man ist fokussierter, und ernsthaft, das Zeug schränktdich in deiner Kreativität??????a #? ein, gerade wenn man auf Tourist. Klar hab ich auch unzählige Shows besoffen gespielt,aber nach ein paar Jahren verbessert man sich einfach nichtmehr und so hab ich diesen Weg genommen. Ich fühle michbesser.

GETADDICTED: Hier das fünf Songmixtape, das heute, dadu ja süchtig nach deiner Frau bist, deiner Frau gewidmetist. Was soll sie genau jetzt hören?

Greg: Oh cool…gerne…Es ist schmalzig aber es istfür meine Frau also kann’s ruhig schmalzig sein….„Leavin On A Jet Plane“…..“P.S. ILove You“ von den BEATLES, sehr schmalzig aber ich mages….”All Outta Love“ von Led Zeppelin…“One Love“ Bob Marley…und „I stillMiss Someone“ von Johnny Cash….