Hotel Schneider, Foto: Riccarda Spiegel

Interview mit Hotel Schneider 2016

Mit Hotel Schneider hat Dennis Scheider, Gitarrist der lange aufgelösten Muff Potter, seit einer gewissen Zeit eine neue Band am Start. „Zurück in den Ring“ heißt das Debütalbum, das im September erscheint.

Mit „Wenn alles vor die Hunde geht“ und „War das schon alles“ sind zwei Songs von Hotel Schneider im Umlauf. Mehr als die Ankündigung samt Bandinfo sind  bisher auch noch nicht im Hause GETADDICTED eingetrudelt. Wir konnten aber die Finger nicht still halten und haben Dennis schonmal vorab ein paar Fragen gestellt.

GETADDICTED: Für alte Muff-Potter-Fans, die neue muffpotterige Songs erwarten oder sich erhoffen, wird Hotel Schneider vermutlich eher eine Enttäuschung. Da es bisher noch nicht viel zu Hören gibt, würde ich dir gerne ein paar „Früher-Heute“-Fragen stellen.
Dennis: Wenn man eine neue Band entdeckt, kann das unter Umständen immer eine Enttäuschung oder auch eine Offenbarung werden – das ist ja das Spannende. Den Muff-Potter-Die-Hard-Fans kann ich schon so viel verraten, dass es sicher auch ein paar muffpotterige Momente auf dem Album geben wird. Andererseits: Was wäre öder, als etwas zu kopieren? Das haben wir schon mit Muff Potter nicht gemacht, warum sollte man jetzt damit anfangen?
Die beiden Singles haben eine relativ poppige Seite von uns gezeigt – das finde ich aber auch total geil. Wer zu uns kommt und Muff Potter 2.0 erwartet, ist fehl am Platz. Das ist, als wenn man in eine Bar geht und ein Glas Milch bestellt.

GETADDICTED: Im Zitat der Mail steht, dass das Schlüsselerlebnis eine Party war, bei der „Musik von Curtis Mayfield, Temptations, Bobby Womack, Barry White, Nina Simone usw lief.“ Welche Bands sind heute außerdem noch Heavy Rotation auf deinem Smartphone?
Dennis: Ja, das war die erste Info, die ich über die Band geschrieben habe – diese Party gab es tatsächlich und eigentlich war es so: Mich hat das erste Mal nach einer langen Zeit der Eigene-Musik-Mach-Abstinenz mal wieder etwas gepackt, und ich habe nach der Nacht gedacht, dass ich wieder selber Musik machen muss. Was früher als 17-jähriger Bands wie Ea80 oder Dackelblut geschafft haben, wurde da angekickt. Auf der selben Party habe ich auch meine Ex-Freundin getroffen und sie hat mir eine Riesen-Szene gemacht – warum weiß ich bis heute nicht, vermutlich war Alkohol im Spiel. Das klingt wie ausgedacht, stimmt aber tatsächlich! Jedenfalls habe ich nach dem Abend den Entschluss gefasst, wieder eine Band zu machen.
Was ich so höre? Echt viel unterschiedliches Zeug – sicher nicht den ganzen Tag Soul – obwohl das natürlich ziemlich lustig wäre. Während ich das hier tippe, höre ich X Ray Spex, „Identity“, gute Nummer, davor lief Darwin Deez „Last Cigarette“

Hotel Schneider, Foto: Riccarda SpiegelGETADDICTED: Welche 5-6 Bands waren vor 15 Jahren Heavy Rotation in deinem CD-Player/Plattenspieler, die aktuell keine Chance mehr hätten bzw. keine Rolle mehr spielen?
Dennis: Puh, schwer zu sagen. Alles, was man so gehört hat, hat ja irgendwie seine Berechtigung gehabt und hat zu dem beigetragen, was man heute ist. EA80 war für mich zum Beispiel eine absolute Offenbarung. Geil, wie jemand so negatives und fatalistisches Zeug singt. Ich habe ohne zu hinterfragen die Alben eingesogen und mich wahlweise wie ein Chef-Outlaw oder wie der coolste Loser gefühlt. Das war geil. Aber man entwickelt sich ja zum Glück weiter. Wäre irgendwie komisch, wenn einen immer noch die selben Themen umtreiben, die man schon mit 18 oder 19 verhandelt hat – wobei einem das natürlich immer noch oft genug passiert

GETADDICTED: Die beiden jetzt schon bekannten Songs von Hotel Schneider klingen ziemlich anders als Muff Potter. Trotzdem spielst du mit „alten Referenzen“ wie „Angry Soul“ statt „Angry Pop“, eingangs der Bio wird explizit auf Muff Potter eingegangen, das neue Album heißt „Zurück in den Ring“, was man zumindest vom Titel auch als Bezug interpretieren kann. Welche Kontinuitäten siehst du zu deiner alten Band – vielleicht auch nur von der Herangehensweise?
Dennis: Also Musik machen hat für mich tatsächlich immer bedeutet, etwas zu machen, um sich aus einem Zustand heraus zu katapultieren. Ich glaube, dieser Motor ist immer der selbe geblieben, das war auch zu Muff-Potter-Zeiten nicht anders. „Zurück in den Ring“ war ein Hotel-Schneider-Song, der es nicht auf die Platte geschafft hat. Das Album so zu nennen, war Astrids Idee, weil sie den Song so gut fand und der Titel super zum Artwork passt. Ein Freund sagte mir „Wenn ihr das Album echt so nennt, sehe ich schon die Interviews: Es wird dann immer auch um Muff Potter gehen“. Wenn das so ist, habe ich damit – zumindest noch – kein Problem. Das ist ja auch ein Teil gewesen, der zur musikalischen Entwicklung beigetragen hat. Ich vertraue darauf, dass die Musik für sich sprechen wird.

„Das ist für mich Angry Soul“

GETADDICTED: Welche klaren Brüche gibt es aber auch?
Dennis: Brüche zu Muff Potter? Klar gibt es die. Wie Du ja sagst, könnten Leute enttäuscht sein, die ein neues Muff-Potter-Album oder eine Muff Potter 2.0-Band erwarten. Das ist mir aber egal, man muss die Musik machen die man machen muss. Uns als Muff Potter hat man damals vorgeworfen, wir würden „Mädchen-Musik“ machen und wir mussten gleichzeitig regelmäßig besoffene Punks von unseren Effekt-Geräten treten. Fürs Radio waren wir dann später zu hart und für die Labels zu unkommerziell – aber immer war es das, was wir machen wollten. Ich will keine Elektro-Hipster-Musik machen und ich will auch keine Gitarren-Rock-Pop-Musik machen und das dann „Punkrock“ nennen. Das würde ich mir beides nicht glauben. Für mich ist das genau die Musik, die ich machen will: Es wird Bruce-Springsteen-Momente geben, es wird Pop-Momente geben, es wird ruhig und auch mal krachig werden. Ich glaube, das ist im besten Sinne ein Underdog-Album. Durch das Album zieht sich das Gefühl, nicht aufgeben zu wollen, wie ein roter Faden. Dabei wird aber nicht gejammert. Das ist für mich Angry Soul.

GETADDICTED: In der Promo-Mail wirst du zum Schlüsselabend auch mit den Worten zitiert: „Vor ein paar Jahren bin ich auf einer Party aufgewacht…“. Stellt sich die Frage: Wieso hattest du denn geschlafen? Und sind wir nicht aus dem Alter raus, in dem man auf Partys einschläft?
Dennis: In der Tat – das sollte man tatsächlich meinen. Aber schlafen muss man ja manchmal auch – um dann wieder wach zu werden. Wenn man es dann nicht mehr nach Hause schafft, dann passiert das auf einer Party. Ob man was verpasst hat, ist die andere Frage – das Gefühl, einem könnte was Spannendes entgangen sein, wird man dann meistens trotzdem nicht los.

GETADDICTED: Die Antwort auf die Frage wird „Nein!“ sein, aber ich stell sie trotzdem, weil man sie von Zeit zu Zeit mal stellen muss: Wird es eine Muff-Potter-Reunion geben? 😉
Dennis: Nein! Das war eine coole Zeit und eine gute Sache – aber alles hat auch eben seine Zeit.

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