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Jim Adkins in Essen 2015

Jim Adkins spielt den zweiten Abend hintereinander in einer Kirche. „Der da oben“ lässt dem Jimmy Eat World Frontmann selbst den Song „Hell“ durchgehen…

For Jim this is heaven & hell
Jim Adkins & Jonah, Alte Kirche Essen, 26.08.2015

Eine Kippenlänge entfernt von der altehrwürdigen Konzertlocation Zeche Carl sticht die Alte Kirche aus der „Shoppingzone“ Essen-Altenessens hervor. Und auch die vor der Kirche „Herumlungernden“ bilden einen Kontrast zur übrigen Crowd Altenessens. Denn in ihren Gesichtern ist mehr Vorfreude und weniger Stadtteil-Alltag zu sehen. Warum? Jim Adkins, als Frontmann von Jimmy Eat World schuld daran, dass Midwestern Emo es Mitte der 90er in den Mainstream schaffte, kommt solo. Jim Eats Essen.

Doch vor Jim kommt Jonah. Dass es nicht Herr Matranga ist, überrascht und enttäuscht gewisse Besucher, die auf einen Support-Auftritt des Far/New End Original/onelinedrawing-Kopfes spekuliert hatten. Dabei machen die Berliner ihren Job gar nicht mal verkehrt. Der als „Zeitlupen-Pop“ beschriebene Sound der Band passt gut in die Kirchen-Akustik, Angelo Mammone und Christian Steenken wissen ganz genau, was sie mit ihrer Stimme bzw den sechs Saiten anzufangen haben.

Ein Mann betritt den Chor und wird von den mehr als gut gefüllten Kirchenbänken (ca 250 Personen) mit lautem Applaus empfangen. Kein Alltag in deutschen Kirchen. In atmosphärisches Licht getaucht, beginnt Jim Adkins sein Set in dem wirklich schönen Gebäude mit „Love Won’t Wait“ aus seiner Single-Reihe. Die ersten Zeilen des nächsten Songs sorgen für verklärte Blicke: „Here, you can be anything, anything that scares you, I think that scares you.“ Just Watch The Fireworks. Clarity. Hach. Es folgt eine anderthalbstündige Mixtur aus eigenen Songs, JEW-Diskografie und Coverversionen. Lacher für den unsicheren Blick nach oben, als Adkins den Song „Hell“ ankündigt und ohne von einem Blitz oder herabfallenden Kreuzen getroffen zu werden spielt. Gekonnt reduziert er an diesem Abend die Lieder aufs Wesentliche, verzichtet auf Soli und ausufernde Instrumentalparts. Die Gemeinde lauscht sitzend und zufrieden. Doof rumquatschen und lässig auf der Show rumhängen sind hier unpassend. Ist es doch eigentlich immer.

Und gerade ohne Bandarrangements wird einem wieder bewusst, was eine tolle Klangfarbe Jim Adkins in seiner Stimme hat. Und wieviel Kraft er reinlegen kann. Ohne ins Ragansche Gröhlen zu verfallen, singt er laut. Highlights des Sets sind unter anderem „Lucky Denver Mint“ (natürlich!), „Girls Just Wanna Have Fun“ (ja, genau ..Cindy Lauper!), „The Authority Song“ (und alle so: oooohoooohohohoo!) und das abschließende „Work“ (einfach grandios geschrieben!).

Kirche kann so schön sein.