Joey Cape unplugged in Dortmund, Foto: Jens Becker

Joey Cape live in Dortmund 2012

Joey Cape bricht eine Regel nach der anderen – seine eigenen, die der Songs, aber genau das macht diesen Abend mit ihm, Dave Hause und Nessi zu einem erinnernswerten Erlebnis.

Eklatant strafbar – Joey Cape, Dave Hause, Nessi im FZW, Dortmund // 15.04.2012

Nessi in Dortmund, Foto: Jens Becker

Nessi in Dortmund, Foto: Jens Becker

Es ist ein Abend mit dreieinhalb Akteuren: Joey Cape, Dave Hause sowie Nessi auf der Bühne, dazu Tourmanager und Merch-Mann Oise auf der gegenüberliegenden Seite des Cafés im Dortmunder FZW. Der legt Wert darauf, dass der Zeitplan eingehalten wird – und bei Nessi funktioniert das auch wunderbar. Die Berliner Songwriterin hat die voluminöseste Stimme des Dreierpacks, und sie tritt auch den Running Gag des Abends los. „Wir waren gestern in Stuttgart und wir haben sehr lange getanzt“, erzählt sie vom Samstag abend. Dazu trinkt sie Weißwein – beherzt direkt aus der Flasche.

Dave Hause in Dortmund, Foto: Jens Becker

Dave Hause in Dortmund, Foto: Jens Becker

Der Umbau für Dave Hause besteht vor allem darin, die Weißweinflasche durch eine mit Rotwein zu ersetzen. Trotzdem dauert es länger als von Oise vorgesehen. Und als der Sänger von The Loved Ones vom langen und exzessiven Vorabend erzählt, erahnt man das harte Schicksal eines Tourmanagers: Wer möchte die drei schon gerne nach gerade mal drei Stunden Schlaf aus der Koje in den Bus scheuchen für eine mehrstündige Fahrt? Dave Hause setzt 45 Minuten lang seine sympathische Performance der Revival Tour fort: Er spielt eigene Songs, welche von The Loved Ones und dazu zwei nagelneue. Als ein Mädel am Bühnenrand versucht, ihren Freund zusammen mit Dave im Hintergrund zu fotografieren, unterbricht der seine Ansage, posiert mit seinen Fans und fragt nachher mitten im nächsten Song nach, ob das Foto auch was geworden ist. Zwischendurch kassiert Papa Oise ein paar Sprüche, die er kurz lachend mit einem Mittelfinger beantwortet.

Als Joey Cape schließlich die Bühne betritt, ist es komplett vorbei mit der Ordnung. „Sein Set plus ein paar Coversongs – je nach Pegel“ – so lautete der vorsichtige Plan, und selbst der ging nicht auf. „Ich hab gerade die beiden nicht mitgekriegt, weil ich im Van geschlafen hab. Aber haben die was von gestern abend erzählt“, fragte Joey als erstes in die Runde. Ja, haben sie. „Todsünde! Sowas macht man nicht. Man erzählt doch den Fans heute nicht, dass es gestern total super war! Und hier heute so…lala“ Das hält ihn natürlich nicht davon ab, selbst ausgiebig von seinen Tanzeinlagen und den verwirrten Blicken der Leute vom Vorabend zu berichten.

Joey Cape in Dortmund, Foto: Jens Becker

Joey Cape in Dortmund, Foto: Jens Becker

Zu trinken gibt es keinen Wein, aber in dem Glas ist auch definitiv kein Apfelsaft. Die Songauswahl läuft ausschließlich auf Zuruf – und wer sagt, dass man einen Song auch nicht am Stück spielen muss? „Wenn im Song ein Solo kommt, sollte man auf einer Akustikgitarre generell – und gerade ich – lieber einfach die Akkorde weiterspielen“, heißt es zur Erklärung. Denn natürlich versucht er sich regelmäßig im fideln – und scheitert jedes Mal. Versuchen muss er es trotzdem, weil: „Ich hab gehört, der Typ von Kreator ist auch hier!“ Wenn Songs eine gewisse Regel im Hinblick auf die Abfolge von Teilen darstellen, hat er sich hier fast eklatant strafbar gemacht. Aber es sind genau diese Momente, die einen Konzertabend zu einem Erlebnis machen – eins, an das man sich gerne erinnert, und nicht eine starre Abfolge von Songs inklusive eingeplanter Zugabe. Die verläuft im FZW in etwa so. „Ich spiel jetzt noch drei bis zehn Songs“. Dazu gehören das NOFX-Cover „Linoleum“, zwei Charts-Cover und das abschließende „Alien 8“ als Duett mit Nessi. Ein gelungener Wochenend-Ausklang und ein etwas entspannterer Abend für Oise.