Kevin Devine in Köln 2014, Foto: Jens Becker

Kevin Devine live in Köln 2014

Woran erkennt man, dass dem Publikum die Show gefällt? Applaus-Lautstärke, Zahl der MitsängerInnen, Pit-Intensität – das sind sonst oft gute Parameter. Im ausverkauften Blue Shell ist es das Gegenteil.

Blue Shell, Köln // 21.01.2014

20140121_kevine_devine_koeln_05Es ist nämlich so, dass wirklich fast alle einfach mal die Fresse halten. Als eine Anwesende vorne aus Versehen zwei Gläser aneinandertitscht, ist das bis in die letzte Reihe zu hören. Jedes Öffnen einer Bierflasche und das Klingeln der Münzen in der Kasse schallt quer durch den Laden. Und es ist wirklich wohltuend, dass (abgesehen von den nunmal nötigen) die einzige Geräuschquelle der Mann da vorne mit seiner Gitarre ist.

Die Leute folgen Kevin Devines Songs mit andächtigen Blicken, zwischendurch mal mit einem Schmunzeln. Sie klatschen wirklich erst, wenn der letzte Akkord verklungen ist. Und Kevin Devine versinkt in seinen Liedern: mal mit geschlossenen Augen am Mikro, mal geht er zwei Schritte zurück oder zur Seite, um seine Stimme noch durchdringlicher in die Menge zu schicken. Da traut sich keiner mitzusingen, vermutlich aus Angst, den Song zu versauen – nicht einmal bei seinen Klassikern „Cotton Crush“ oder dem Miracle-Of-86-Hit „Every Famous Last Word“, den er in einer sehr zurückgenommenen Version spielt.

„Was ich jetzt sage, ist überhaupt nicht cool und cheesy, aber ich bin nunmal nicht cool und cheesy“, setzt er zwischendurch an und erzählt dann aufrichtig, wie sehr es ihn freut, dass er seit 2003 immer mal wieder nach Köln kommt und hier herzlich empfangen wird. Wer sich über anderthalb Stunden auf eine Bühne stellt, leidenschaftlich spielt – teilweise auf Zuruf – der ist halt immer sehr willkommen.

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