Knapsack Blair Shehan Beach Slang Gleis 22

Knapsack & Beach Slang in Münster

Sowohl Knapsack als auch Beach Slang feiern Deutschland-Premiere im Gleis 22. Mit Amps turned up to 9 und bass guitars that want to die.

They know the power of amplifiers

Liebe Leute, die Frage nach der neuentdeckten Lieblingsband 2015 hat sich erledigt. Haben sich Beach Slang mit ihren beiden 2014er  EPs „Who Would Ever Want Anything So Broken?“ und „Cheap Thrills On A Dead End Street“ (gibt’s nun als „Broken Thrills“ auf LP) schon in Deine Gehörgänge gefressen, landet das Quartett live aber sowas von direkt im Herzen. Wer den auf den Punkt gebrachten Dreiminütern voller Singalongs in Kombination mit dem unaufgesetzten Charme dieser Band widerstehen kann, sagt auch „Na, und!?“ zu einer Jawbreaker-Reunion.
Beach Slang James SnyderGetreu der Filthy Luck-Songzeile „This guitar wants to die“ knallt Ed McNultys Bass während des zweiten Songs dank gerissenem Gurt auf den Boden, die aufmerksamen Knapsack-Helferleine Blair Shehan und Ed Breckenridge sind sofort zur Stelle und sorgen für Leihbass und Reparatur. Mitglieder von The Jealous Sound und Thrice muss man erstmal als Roadies haben… Aber auch das zickende Equipment passt perfekt in Beach Slangs Anti-Helden-Haltung: „We suceed in striving for not-perfection!“ lacht James Snyder (übrigens Ex-Weston) die Pannen weg. Apropos Lachen: Spätestens nach dem hysterischen Quieken des Frontmannes will man die Band einfach nur noch in den Arm nehmen und ihnen den gesamten Merchtable leer kaufen. Es wird Zeit für neue Songs! Das grandiose EP-Material, sympathisch verpeilte Blödeleien sowie das Cover des überlebensgroßen „Game Of Pricks“ verschaffen dem Philadelphia-Vierer (extra nachgefragt: Gitarrist Ruben Gallego verstärkt die überall  noch als Trio aufgeführte Band ab sofort auch offiziell) bei seinem ersten Gig auf deutschem Boden massig neue Freunde.

Blair Shehan Knapsack Beach SlangKnapsack hingegen haben schon seit den 90ern jede Menge Freunde hierzulande – Band & Fans haben sich bloß noch nicht persönlich kennengelernt. Die einzelnen Mitglieder sind/waren zwar schon mit The Jealous Sound (Sänger/Gitarrist Blair Shehan), Samiam (Gitarrist Sergie Loobkoff) und Thrice (Bassist Ed Breckenridge) fleißig unterwegs, nach Deutschland aber verschlug es die aktuelle Besetzung als Band noch nicht. Im Gegensatz zu Beach Slang geben sich Knapsack eher wortkarg, Loobkoof kniedelt an seinen Loobkoff-typischen Gitarrenfiguren, Breckenridge und Drummer & Gründungsmitglied Colby Mancasola prockeln schweigend brav die 90’s Emo Basis. Auch Blair Shehan lässt sich, obwohl das Gleis 22 Publikum sich wirklich sicht- und hörbar freut, mitgeht und -singt, nicht wirklich zu Gefühlsregungen hinreißen. Großes Entertainment erwartet hier aber auch keiner: Die Songs dieser drei Alben, die Adoleszenzen prägten, stehen für sich. Erst zum abschließenden Dreierpack Cellophane, Katherine The Grateful und Please Shut Off The Lights lässt sich die Band vom begeistert mitbrüllenden Gleis anstecken und geht aus sich heraus. Mit Cold Enough To Break und Decorate The Spine als Zugabe gibt sich das glücklich grinsende Publikum nicht zufrieden, Shehan legt solo nochmal nach. Eine derbe gelungene Deutschland-Premiere zweier großartiger Band.