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Matula – Schwere (Review)

Coming of Age mit Matula: Wurde beim letzten Mal noch hedonistisch Auf allen Festen getanzt, ist das neue Album Schwere das verkaterte Aufwachen nach der beschissenen Party. Gleichzeitig nimmst Du aus Schwere aber auch mit: nicht resignieren, da sind auch gute Dinge, an denen es sich lohnt, festzuhalten.

Matula GetaddictedAlso WIR wären für diese Rezension ja schon Ende August 2017 bereit gewesen, Matula waren die Trödeligen. Mussten wir sie erstmal mit dem Stock pieksen, dass die aus dem Quark kommen. Ergebnis: Schwere (24.08. bei Zeitstrafe).

 

 

Matula Schwere CoverSoundtechnisch klemmt sich Schwere das erstmal-in-die-Gänge kommen von Auf allen Festen („Tapete“) und zieht das, was Matula sehr gut können, auf Albumlänge durch: 4-6 Akkorde in „Intro-Strophe-Refrain-Bridge“-Verpackung irgendwo zwischen oberem Mid- und Uptempo (Einzig Der Monarch kommt etwas poppig-gediegener daher). Matula verfallen auch diesmal nicht in Feedback-Gewitter, hektisch drauf los galoppierende Drums oder Geschreie im Wutausbruch, laut aufdrehen macht aber trotzdem Bock. Call it Punk, call it Indiegitarrenrock, call it was auch immer, man erkennt Matula auf jeden Fall wieder. Norddeutsche Gelassenheit trifft auf die richtige Portion Zynismus.

Auch die Texte auf Schwere haben einen roten Faden: Deine einst so geliebte Stadt mit ihren ach so tollen Leuten geht Dir nur noch auf den Sack. Was stellt das beschissene Rattenrennen namens Job mit dir an? Musst Du das ganze etwa auch noch alleine durchziehen? Die Band selbst nennt das: „Das volle Programm einer Anti-Party, auf der man lieber nicht eingeladen sein möchte, aber gezwungen ist, hinzugehen. Und das verkatert.
Das heißt aber nicht, dass Matula zu chronischen Miesepetern geworden sind: Dem ganzen Verdruss auf Schwere stellen sich auch jede Menge Anker und Hoffnungsschimmer entgegen. Es kommt rüber, dass das alles trotzdem irgendwie hinhauen wird. Ein norddeutsches Äquivalent zum coming-of age-Album After The Party der Menzingers.

Matula erzählen oft von anderen, meinen aber doch immer sich. Schwere setzt nicht auf zusammenhängendes Storytelling à la Kettcar, sondern sammelt Momentaufnahmen und Augenblicke und formuliert diese in Bildern, die sich vor Deinem Auge abspielen. Gerade wenn sich der eitel Sonnenschein da draußen wieder verpisst und das Wetter wieder Hand in Hand mit Deiner Gefühlslage geht, werden diese Bilder noch mehr Sinn machen.

Unnützes Wissen zum Abschluss: Matula werden auf Schwere zu Gelegenheitsdieben. „Hinfallen ist wie Anlehnen nur später…“ Warte mal!? Die Hookline aus „Verhandlungsbasis“ kennst Du doch? Genau. Buchtitel von Vorzeigebuchstabenverdreher und Co-Bochumer Sebastian23. Der hat aber auf Nachfrage (im Gegensatz zu einem gewonnenen Prozess, als ein Unternehmen sich für eine Kampagne einfach mal bediente) nix dagegen.

 

MATULA bei GETADDICTED

Foto: Daniel Möring