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Me First and the Gimme Gimmes im FZW Dortmund

Wenn Spike Slawson wollte, würde er sich in San Francisco als Gebrauchtwarenhändler eine goldene Nase verdienen oder im Bible Belt das Halleluja verkünden. Stattdessen aber frönt er an diesem Abend im Dortmunder FZW seiner Leidenschaft als Sänger der Punk-Reisegesellschaft Me First and the Gimme Gimmes. Ladies & Gentlemen, Spike Slawson. Ein Rampenconnaisseur wie er von Martin Scorsese kaum besser in Szene gesetzt werden könnte.

Es ist Mittwoch, die Sonne knallt unermüdlich auf den Asphalt der Ritterstraße, wir sparen uns Itchy als Vorband und sorgen stattdessen nochmal beim Getränkemarkt um die Ecke für Kaltgetränkenachschub. Und frönen – und ich bemühe an dieser Stelle einmal ein etwas in die Jahre gekommenen Verb in seiner substantivierten Form – dem „Rumlungern“. Ganz schön kühn für die Tatsache, gleich eine Band zu sehen, auf die man eigentlich gute 20 Jahre gewartet hat. Damals zur Vans Warped Tour waren sie angekündigt und sind nicht gekommen. Und welcher Drecksack hat mir zu der Zeit im Partykeller vom Sebi mein „Have a ball“-Album gezockt? Okay, ich fahre den Blutdruck etwas runter. Vorhin habe ich aus dem Plattenregal nochmal die alten 7-Inch-Sammlung der MFATGG rausgesucht. Mit der Garf-Fehlpressung und vielen anderen Erinnerungen an längst geschlossene Plattenläden.

* Kurzer Psychoanalyse-Einschub * Ich glaube ja, dass ich von Konzerten nicht allzu viel Großartiges erwarte. Weil ich zu viele gesehen habe? Weil ich alt und leidenschaftsmoderat geworden bin? Weil Mittwoch ist?

Den ergrauten Herren auf der Bühne ist so ein Gedankengesülze herzlich egal. Das und einiges mehr, denn ein Joey Cape und ein Jay Bentley sind bereits hackenstramm, als sie debil grinsend auf die Bühne schlurfen. Dass die beiden in ihrem Zustand noch einigermaßen geradeaus ihre Instrumente beherrschen, fasziniert mich bis zum letzten Coversong. Und davon gibt es reichlich, reichlich, reichlich. Also durchgehend, weil halt MFATGG. Kerl, was macht das plötzlich Spaß, die alten Gassenhauer schief wie eh und je mitzusinggröhlen. „Uptown Girl“ von Billy Joel, „Country Roads“ von John Denver, „Over the rainbow“ von Marusha und nicht zuletzt „Mandy“ von Barry Manilow. Stets angetrieben vom Vegas-Vibe des Spike Slawson. Der Typ hat das Ding auf der Bühne souverän im Griff. Gold, Glitzer, Glamour. Ob Cape und Bentley sich in ihrem süffisanten Delirium zwischendurch ernsthaft anstänkern und showmäßig zufrotzeln lässt sich nicht mit aller Verlässlichkeit sagen. Was die Faust nicht regelt, besorgt anschließend hoffentlich der Filmriss.

Also Me First and the Gimme Gimmes im FZW. Feine Sache. Bisschen undankbar mitten in der Woche, wo es am nächsten Tag doch wieder an die Schüppe, bzw. ins Büro geht. Aber das hat sich hier heute wirklich gelohnt. Me First and the Gimme Gimmes – Haken dran und einen der letzten weißen Flecken von der Live-Karte gestrichen.

Foto: Ines Maria Eckermann