Millencolin in Köln 2015, Foto: Kirsten Otto

Millencolin live in Köln 2015

Millencolin kommen nach Köln und in der Live Music Hall warten mehrere Generationen Punkrock auf die Schweden – und die Bombshell Rocks sind auch noch als Support dabei.

Dienstag ist Bowling-Tag – Millencolin + Bombshell Rocks in der Live Music Hall, Köln // 04.05.2015

Die 1.200 Menschen fassende Live Music Hall ist nicht ganz ausverkauft, aber fast voll. An diesem Montagabend treffen Leute aufeinander, die ihre Ramones-Shirt bei deren letzter Tour gekauft haben, und Jüngere, die damals noch in die Windeln geschissen haben. Und alle kommen auf ihre kosten – außer vielleicht die Bombshell Rocks.

Die wiedervereinten schwedischen Street-Punkrocker haben einen schweren Stand: Sie spielen sich durch Alben und Hits, von „The Will The Message“ bis zur Single vom neuen Album „Without Destination“. Sie tauen die Leute mit der verlangsamten ersten Strophe von „Unstoppable“ auf, neben drei engagierten Mitsängern klatschen auch einige mit – aber der Funke will einfach nicht wirklich überspringen. Falls ihr die alten oder die neuen Songs nicht kennt, hier gibt’s dringend benötigte Abhilfe.

Noch bevor der Soundman bei Millencolin den anfänglichen akustischen Matsch in den Griff bekommt, rufen die Schweden in die Menge: „Wer hat Bock auf alte Songs?“ Nach dem Opener und der ersten Lüge des Abends („I’m 22, don’t know what I’m supposed to do“) geht’s kreuz und quer durch gefühlte zwei Jahrhunderte Punkrockgeschichte, bei der Guido Knopp blass werden würde.

Ein wiederkehrendes Muster: Bei jedem Songanfang zucken Leute, recken die Faust, singen mit, stürmen nach vorne oder deuten zumindest ganz kurz den Willen dazu an – egal, ob es sich um Klassiker wie „Olympic“ und „Bullion“ handelt oder neueren Stoff. A propos Stoff: Die Entertainer des Abends sind ganz klar die Gitarristen Erik Färm und Fredrik Larzon, die mal diskutieren, ob Kölsch jetzt total lecker (Matthias) oder echt schäbbich ist (Fredrik – und er hat recht, Anm. d. Verf.). Mal stellt Fredrik auch die These auf: Circle Pits funktionieren am Freitag und Samstag gut, am Sonntag ok – aber die Begeisterung dafür sinkt montags rapide, erst recht bei ganz neuen Songs. Nur um dann den Gegenbeweis einzufordern und ihn auch zu bekommen.

Nach gut 55 Minuten verabschieden sich Millencolin mit „Mr. Clean“ in die Zugabe – bei diesem wie auch bei vielen anderen Songs übrigens in bester Punkrock-Manier: Die Songs einfach mal in ungefähr doppelter Geschwindigkeit spielen. Die Leute fordern zwar noch „Da Strike“ – Nikola Sarceviv lehnt aber ab: „Dienstag ist Bowling-Tag!“. Nach insgesamt rund 80 Minuten ist dann Feierabend. Millencolin sind vielleicht älter geworden. Aber sie können’s noch. Und wollen auch!