Rancid in Köln 2012, Foto: Jens Becker

Rancid live in Köln 2012

Neun Jahre Wartezeit auf diesen Abend. Der Veranstalter hat mit Emscherkurve 77, Rat City Riot und GBH drei Vorbands eingekauft. Nur bei aller Liebe, allem Respekt, aller Aufgeschlossenheit und Fairness: Die meisten warten nur auf Rancid.

E-Werk, Köln // 24.07.2012, Support: Emscherkurve 77, Rat City Riot und GBH

„Radio“, „Roots & Radicals“, „St. Mary“ zum Einstieg – willkommen in den frühen Neunzigern. Oder? Lars Fredriksen hat sich vom Iro verabschiedet. Tim Armstrong hat seine streifige Kopf- gegen buschige Gesichtsbehaarung getauscht. Wo früher mal eine Mütze saß, thront jetzt ein Tattoo. Ist wohl doch 2012. Der Einstieg ist auf Nummer sicher und doch genau richtig. Danach „neuere“ Songs wie „Last One To Die“, aber auch obskure wie „I Wanna Riot“. Hinten im E-Werk ist Sahara, vorne finnische Sauna. Tropfst du noch oder läufst du schon?

Rancid in Köln 2012, Foto: Jens Becker

Rancid in Köln 2012, Foto: Jens Becker

„My favourite bands are the best skinhead bands“, sagt Fredriksen, weil drei Leute von Stomper98 da sind. Fredriksen vermutet, dass auch sie „Hooligans“ sind – die Überleitung zum entsprechenden Song lassen sie bestimmt bei jeder Show los – geschissen, egal! Direkt danach „Old Friend“ – herrlich. Der Typ, der zu „Red Hot Moon“ auf die Bühne geholt wird, kann maximal den halben Text – auch egal. Fredriksen und Armstrong werden von Spots verfolgt. Matt Freeman steht gentleman-like im Hemd daneben und lächelt. Ingo Donot geht vorbei: „Boah, ist das geil!“

Armstrong spielt bei drei Mal mehr Songs wirklich mit als beim Bizarre 98. Haben die wirklich so Bock oder bin ich das? Der tätowierte nackte Oberkörper auch. Er schleppt sich zum dritten Mal Richtung Biergarten, klatschnass, die Zunge unterhalb der Doc-Martens-Marke. Lars Fredriksen steht meist an seinem Mikroständer. Tim Armstrong latscht, hüpft oder stolpert zwischendurch hin und her. Matt Freeman hält sich beständig auf seinem Bühnendrittel. Hier passiert im Grunde nichts Außergewöhnliches, außer dass  Songs wie „Nihilism“, „Olympia, WA“ oder „Lock, Step And Gone“ seit Ewigkeiten, „Fall Back Down“ noch nie vor dieser Tour auf einer deutschen Bühne performt wurden. Und vielleicht ist es einfach auch der Seltenheitscharakter, der unterstreicht, dass Rancid einfach zur absoluten Speerspitze des Punkrocks weltweit gehören. Ist diesem Abend der Titel „Konzert des Jahres“ in den nächsten Monaten noch zu nehmen?

Im Zugabenblock mit „Time Bomb“, „Tenderloin“ und „Listed M.I.A.“ sagt Lars Fredriksen schließlich: „This is your last chance to dance“ als Ankündigung für das abschließende „Ruby Soho“ – und es bleibt nur die Frage: Wann und wo bietet sich die nächste Chance? Destination time unknown …