Rantanplan, Foto: Mirja Glaesker

Rantanplan – St. Pauli

Ska-Punk ist schon lange nicht mehr der heiße Scheiß. Rantanplan machen auf „Pauli“ aber da weiter, wo sie nie aufgehört haben – und haben damit einiges gemeinsam mit der katholischen Kirche.

Die katholische Kirche ist auch eine alteingesessene Institution und hat arg an Ansehen verloren – und die beiden haben mehr Gemeinsamkeiten, als man denkt.

Rantanplan - St. Pauli

Rantanplan – St. Pauli

Beide haben im Laufe ihrer Geschichte wichtige Persönlichkeiten verloren: Marcus Wiebusch (but alive, Kettcar) auf der einen, Jesus, Petrus, Johanna auf der anderen. Beide sind lange schon Verfechter der reinen Lehre: Punk mit Ska, Gitarren mit Bläsern und ohne Schnickschnack wie Elektronik bzw. lateinische Liturgie, Zölibat und ohne Schnickschnack wie Demokratie oder Frauen in wichtigen Ämtern. Bei beiden steht neben der Form (Musik, Messe) die Botschaft im Mittelpunkt: Die frohe auf der einen, die schlechte bei Rantanplan – zumindest beim Auftakt. (Und hier enden die Parallelen – wir wollen ja nicht unsinnige Vergleiche konstruieren). „Natural Born Altona“ ist eine Hymne gegen Gentrifizierung, „Erde zuteeren“ ist eine zynische Abrechnung mit allem, und es dürfte auch klar sein, wie Rantanplan den Satz „Wir haben nichts zu verlieren, wir haben Chuck Norris“ meinen. Oder in „Ponyhof Gnadenschuss“ die Zeile: „Das Leben ist kein Ponyhof, kein Wunschkonzert, kein Feuerwerk, kein Zuckerberg.“ Und auch wenn Rantanplan gar nicht auf Dauer so bitterböse sind, tendiert ihr Sound mehr zwischen Ska-Punk und Punk-Ska, ohne dass ihm jemals die Sonne aus dem Arsch scheint.

Ihre Musik mag heute nicht als der heiße Scheiß gelten. Aber kraftvolle, intelligente Gesellschaftskritik sollte eigentlich nie aus der Mode geraten. „Pauli“ ist dabei ein wertvoller Beitrag.