Slime, Foto: Jens Becker

Slime – Sich fügen heißt lügen

Braucht die Welt im Jahr 2012 noch ein neues Slime-Album? Natürlich nicht. „Sich fügen heißt lügen“ drängt sich aber trotzdem auf.

Slime - Sich fügen heißt lügen

Slime – Sich fügen heißt lügen

Manchmal ist es wichtig, dass mal jemand mit der Faust auf den Tisch haut – und deswegen machen Slime jetzt mal diesen Tisch hier kaputt. Wir lassen uns nicht verbiegen, „Wir geben nicht nach“, wir blasen zum Angriff, wir lassen uns nicht verarschen – so in etwa lautet der Tenor. Obwohl die Texte vom Anarchisten Erich Mühsam stammen und teilweise 100 Jahre alt sind, funktioniert das hier bis auf ein paar hölzern und verschwurbelt erscheinenden Formulierungen erstaunlich gut. „Seenot“ ist der einzige Song, der nicht eins zu eins von Mühsam übernommen ist – und er ist einer der stärksten auf dem Album. Das lässt auf ein nächstes, „echtes“ Slime-Album hoffen. Zwischenzeitlich wird es dann deutlich parolenhafter als auf „Schweineherbst“: „Drum nieder: Reichtum, Bourgeoisie! Drum nieder Knechtschaft, Tyrranie, zum Kampf, zum Kampf, für Anarchie!“ Aber es ist eben auch noch kein Fall in der Geschichte bekannt, wo ein Tisch kaputt gekitzelt wurde.

Was dieses Album aber erst recht interessant macht: Slime liefern hier mit alten Mitteln ein derart kraftstrotzendes und mitreißendes Album ab – jeder Refrain ist eine Hymne, die den alten in nichts nachsteht. „Sich fügen heißt lügen“ ist die musikalische Bagdad-Grätsche in Zeiten von Gier, Banken- und allgemeiner Krise.

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