Rise Against in Köln 2011, Foto: Jens Becker

Rise Against in Köln 2011

Im satt ausverkauften und mit einem zusätzlichen Graben versehenen Palladium schwitzen sich Rise Against 85 Minuen durch ihre Alben. Support: Coliseum.

Während die einen sich noch über den zusätzlichen Wellenbrecher ärgern und andere dem Support Coliseum mangelnde Aufmerksamkeit schenken, finden die Bockwürstchen neben dem Peta-Stand ordentlichen Absatz.

Seit Wochen gibt es keine Tickets mehr für das Palladium. Man muss sich das noch einmal vergegenwärtigen: Tim McIlrath und Co. verkaufen den selben Laden aus wie zwei Wochen vorher Pop-Sternchen Katy Perry. Und von Ausverkauf kann man bei Rise Against weiterhin nicht sprechen.

Rise Against in Köln 2011, Foto: Jens Becker

Rise Against in Köln 2011, Foto: Jens Becker

Was Ansagen zwischen den Songs angeht, bleibt Tim McIlrath weiter auf der guten Seite der Macht: Keine dumpfen Parolen, kein überambitioniertes Missionieren – er sagt, was er sagen muss oder möchte: Da finden Organisationen wie Peta oder Sea Shepherd Erwähnung, er ruft auf, sich zu informieren – sei es über Info-Broschüren, Bücher – alles, was Erkenntnis und Bewusstsein schafft. Dazu bedankt er sich bei früheren Support-Bands wie Silverstein oder Waterdown (die aber kaum jemand zu kennen scheint).

Musikalisch geht es kreuz und quer durch die Alben, mit erstaunlich geringem Anteil ihrer neuen Platte „Endgame“, die gerade auf Nummer 1 in die deutschen Albumcharts eingestiegen ist. Lediglich „Architects“ und „Help Is On The Way“ finden den Weg in die Setlist. Natürlich fallen liebgewonnene Klassiker im Laufe der Jahre auch weg (wie „Anywhere But Here“ oder „To Them These Streets Belong“), seltene Ausnahmen („Paper Wings“ oder das Jawbreaker-Cover „Tour Song“) finden auch nicht statt.

Zum Abschluss gibt es dafür das erwartbare Akustikdoppel „Swing Life Away“ und „Hero Of War“, danach „Remains Of Summer Memories“ vom Debüt „The Unraveling“ (warum nicht „Alive And Well“ wie in London?) und das ebenso wenig überraschende Paket aus „Give It All“ und „Ready To Fall“ zum Schluss.

Klar ist Tim McIlraths Stimme live immer ein wenig dünner als auf Platte, klar stört der nunmal aus Sicherheitsgründen heutzutage verpflichtende Wellenbrecher. Dennoch entfalten Rise Against live immer noch eine unglaubliche Energie, nicht zuletzt durch die akrobatischen Einlagen von Gitarrist Zach, bei denen sich Dreiviertel der 4.000 Besucher wohl diverse Muskelverletzungen zuziehen würden. Natürlich atmen Punkkonzerte in kleinen, verschwitzten Clubs eine andere Atmosphäre. Aber wenn ein Künstler soviel mehr zu sagen hat als „hot and cold“ oder „I kissed a girl“ und dann eine so große Öffentlichkeit erhält, dann ist das gut so!