the smith street band throw me in the river review

The Smith Street Band – Throw Me In The River

Ein feinstes Stück Australicana zwischen Folk, Punk und Indie. Mit jede Menge Herz und Ehrlichkeit.

Smith Street Band Throw Me In The River ReviewIm Hintergrund knistert leise ein Feuer, jemand singt bedächtig über das Aufwachsen fernab der Metropole. 53 Sekunden lang könnte man denken, hier schüttet uns John K. Samson sein Herz aus. Dann das Crescendo und der breite Aussie-Akzent von Sänger Wil Wagner: “I have plans for you and me, our lives are gonna change!” Get ready for The Smith Street Band!

Die Smith Street Band hat nicht nur popularitätstechnisch in der Melbourner Heimat einen ordentlichen Satz nach vorne gemacht, auf Throw Me In The River geht es viel, viel tiefer als „driving around, singing songs about driving around, singing songs“: die Band nicht länger Hobby, sondern Ventil & Lebensinhalt. Wil Wagners Katharsis als roter Faden. Schon im Opener “Something I Can Hold In My Hands“ heißt es “Every inch of me is always itchin, unless I am on stage. […]For the first time in my life I’m smiling when I wake”. Und dass die Worte “All I ever needed was something I can hold in my hands” im letzten Song des Albums (“I Love Life”) wiederkehren– kein Zufall!

Man hört Throw Me In The River an, wieviel Arbeit die Band im Vergleich zu den letzten beiden durchaus empfehlbaren Outputs (Sunshine & Technology, Don’t Fuck With Our Dreams) in die Aufnahme dieser 11 Stücke investiert hat. Der gekonnt arrangierte Wechsel zwischen schepperndem Druck und dem Platz zum Atmen zwingt einen sowohl zum Mitfiebern als auch Hinhören. Und das lohnt sich.
Denn neben den punkig-lockeren Uptempo-Nummern (Vorab-Single „You Don’t Have To Surrender“ als Hit und „East Melbourne Summer“ als Zaunpfahl winkender Uncle-M-Blutsbruderpakt mit den Labelmates Apologies, I Have None) betreiben Wagner und seine Smithies astreines Storytelling. Gerade “Calgary Girls“, „The Arrogance Of The Drunk Pedestrian“ und der Titeltrack stechen auf Throw Me In The River als textliche Stützpfeiler heraus. Wil Wagner wackelt hier minutenlang, stößt sich an Zwischenmenschlichem und eigener Psyche, sein Kloß im Hals wird dein Kloß im Hals und dann spuckst du gemeinsam mit ihm die Melancholie aus, und brüllst in ganz großen (und lauten) Momenten die Wut heraus. Sowas von befreiend.

Gerade an dieser Inbrunst könnte man sich bei der Smith Street Band reiben. Denn, ausgefeilteres Songwriting hin, aufwendigere Produktion her: Wil Wagner ist es immer noch scheißegal, ob er Töne trifft, wenn er wie ein Ork im Porzellanladen mit seinen Stimmbändern alles niedermäht, um sich Luft zu verschaffen. Das stößt in den lauteren Nummern nicht auf, macht sich sogar ganz gut. Harmoniebedürftige Ohren werden sich in den ruhigeren Momenten aber öfter mal den weakerthans‘schen Wil vom Anfang wünschen. Eins ist der Smith Street Band dadurch aber gewiss: Wiedererkennungswert!

Ein feinstes Stück Ameri… Australicana (Das sagt man jetzt so!) zwischen Folk, Punk und Indie. Mit jede Menge Herz und Ehrlichkeit. All I ever needed was something I can hold in my hands – zum Beispiel diese Platte.

THE SMITH STREET BAND – Throw Me In The River
Label: Uncle M
VÖ: 27.10.2014