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Speedy Ortiz in Köln 2015

Sadie Dupuis und ihre Mannen zeigen im Blue Shell mit Griffbrettaction und ohne Mackergehabe, wer derzeit der Boss im Indierock ist.

Speedy Ortiz im Blue Shell Köln, 07.10.15

Türkiser Lippenstift, zweifarbige Haare, Kniestrümpfe – auf den ersten Blick könnte Sadie Dupuis glatt als Überbleibsel der Rave-Girlie-Szene durchgehen. Doch dieser Eindruck verflüchtigt sich, sobald die Gitarristin, Sängerin und Songschreiberin von Speedy Ortiz ihre Gitarre zur Hand nimmt.

Speedy Ortiz gehören zur Riege der jungen Indierockbands, denen man nachsagt, nach den Neunzigern zu klingen. Doch auch wenn der Pavement-Einfluss an vielen Stellen hörbar ist, wird ihnen das nicht so ganz gerecht. Dafür ist die Band zu vielseitig und eigenständig – sie machen eben Rockmusik, die ohne Mackergehabe und immer gleiches Powerchord-Geschrammel auskommt. Eigentlich ziemlich zeitlos also.

Während der britischen Vorband Trust Fund füllt sich das Blue Shell allmählich. Live klingen Speedy Ortiz weniger feingliedrig als auf ihren Alben, aber sie bieten immer noch genug Griffbrettaction, um jeden Gitarrenlehrer zu beeindrucken. Außerdem sind sie musikalisch eine gute eingespielte, feste Einheit.

Den Emo-Einschlag, den ihr erstes Album „Major Arcana“ teilweise hatte, haben sie dabei inzwischen hinter sich gelassen und zu einem deutlicheren Selbstbewusstsein gefunden. Es gibt kein „No Below“ zu hören, stattdessen konzentriert sich die Songauswahl auf das aktuelle Album „Foil Deer“. „I’m not bossy, I’m the boss!“ singt Sadie in „Raising The Skate“ und gibt damit die Richtung vor. „Puffer“ kommt so nah an Hip-Hop heran, wie das eine Indierockband hinkriegen kann, ohne bemüht zu wirken. Dazwischen gibt es natürlich auch jede Menge windschiefen Gitarrennoise und um die Ecke gedachte Melodien.

Zwischendurch hat Sadie Probleme mit ihrem Kabel, was dem Schlagzeuger Mike Falcone die Möglichkeit gibt, sich darüber zu freuen, im „Land der Schokolade“ zu touren, um die Musikpause zu überbrücken. Was vor allem zeigt, dass sein Deutschlandbild wohl hauptsächlich von alten Simpsons-Folgen geprägt ist. Da wären wir dann doch wieder bei den Neunzigern.

Nach einer knappen Stunde verlassen Speedy Ortiz ohne Zugabe, aber unter lang anhaltendem Applaus die Bühne und ziehen sich erst kurz in den improvisiert wirkenden Backstagebereich zurück, um danach sogleich am Merchstand zu stehen. Außerhalb ihrer Musik geben sich Indierock-Boss Sadie Dupuis und ihre Mannen also eher bescheiden bis schüchtern.