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GEDENKMINUTE FÜR ST. PAULI
Olgas Rock Tag 2 in Oberhausen // 11. August 2007
Während der ein oder Frühaufsteher und Musikliebhaber schon zur Mittagszeit zum zweiten Tag des Olgas Rock-Festivals nach Oberhausen aufgebrochen ist, um Brisk, Crash Casino und Tony Gorilla zu sehen, strickt der semi-professionelle Journalist von heute zu Hause vor heruntergelassener Jalousie an Interview-Fragen. Pünktlich zu Click Click Decker wird dann endlich das Wiesengelände erreicht und los geht’s.
Die Mannen aus Hamburg erreichen mit vom aktuellen Album „Nichts für Ungut“ bestimmten Set nicht nur die Ohren, sondern auch manch Punkrock-meets-Fußball-Herz. Denn nach der natürlich völlig unverdienten 0:2-Niederlage der braunen Kiez-Kicker gegen elf Karnevals-Prinzen am Vorabend wird um eine Gedenkminute für den FC. St. Pauli gebeten. Es folgen One Fine Day. Die können nicht nur mehr oder weniger geschmackvoll musizieren, sondern würden auch als Animateure an den Urlaubsparadiesen dieser Welt eine prächtige Figur abgeben. Das Publikum wird zum Hinsetzen und Hochspringen gebracht und die Band selbst streift sich für einen gepflegten Schweinehaufen schon mal die Instrumente ab.
Anschließend treiben The Porters auf der Bühne ihr Unwesen, die zwar nicht mein Herz, aber dafür das hartgesottener Security erreichen. Das Disco Ensemble schafft beides nicht, wobei allerdings fairerweise angemerkt werden muss, dass ich dem ganzen ohnehin keine Chance gebe. Stattdessen schaue ich mir abseits des musikalischen Geschehens elterliche Erziehung von heute an. Ich lasse mich zunächst noch darüber belehren, dass Kinder zur Stärkung des Immunsystems durchaus im Dreck spielen sollen. Den Gedanken, dass der angelegte Brunnen zumindest theoretisch nicht nur nicht trinkbares Wasser, sondern mittlerweile auch reichlich Bier, Urin und was weiß denn ich führen könnte, lass ich noch außer Acht. Aber als sich der kleine Junge dann beim gescheiterten Sprung über den glitschigen Rand sich das Knie aufschürft, fühle ich mich zumindest teilpädagogisch bestätigt. Falls sich das jetzt jemand fragt, Bausparer bin ich übrigens (noch) nicht.
Zurück zum eigentlichen Thema. The Robocop Kraus betreten das Szenario, spielen ein solides Programm weit über jeglichem Durchschnitt zwischen Fake Boys und einem Mini-Ausblick auf das kommende Album, wissen aber hinterher selber, dass die Olgas-Rocker in der Mehrzahl nicht unbedingt ihren Sound hören wollten. Dann schon eher den der Donots, ihres Zeichens Spaßpunkrocker aus Ibbenbüren. Eine sichere Bank für jedes Umsonst & Draußen-Line Up. Das passte. So wie das Wetter, und der kleine Junge hat auch gar nicht lange geweint und schnell ein Pflaster bekommen. Allerdings vorher noch mit seinen Schmutzfingern in die Wunde gepackt. Hab ich genau gesehen!






