the prosecution

Track by Track mit The Prosecution – die Stories zum neuen Album The Unfollowing

Die AFD, verbohrte Weltbilder, die Kriminalisierung von NGOs und Seenotrettern – The Prosecution geht das zurecht derbe auf den Sack. Und das lassen sie die Welt auf ihrem neuen Album „The Unfollowing“ auch wissen. The Prosecution Posaunist Tini, Sänger/Gitarrist Simon und Gitarrist Kötti verraten uns im Track by Track die Stories zu den einzelnen Songs auf dem Album.

The Prosecution tragen ihre Message ab Ende September ausgiebig auf deutsche und Schweizer Bühnen. GETADDICTED präsentiert The Prosecution auf Tour 2017.
ZU DEN TOURDATEN

The Unfollowing
— Track by Track mit The Prosecution

The State Of Hate

The State of Hate ist der Opener unserer Platte. Für uns sollte der Eröffnungstrack zwei Dinge erfüllen: er muss einen sofort abholen und musikalisch aufzeigen wohin die Reise geht. Er muss für uns als absolut politische Band aber auch eine ganz klare Ansage machen. Nicht nur weil Wahljahr ist, in dem es gilt Parteien wie der AFD den Wind aus den Segeln zunehmen. Sondern auch weil es uns eine Herzensangelegenheit ist und wir uns als Band, die Menschen erreicht, in der Verantwortung sehen Missstände aufzuzeigen – wie den Rechtsruck in Deutschland und Europa.

Forlorn

Dass man sich manchmal ganz schön alleine dastehen fühlt, wenn man sich so im tagesaktuellen Geschehen umschaut, ist nachvollziehbar. Das kann deprimierend sein, und auch wir fragen uns manchmal selbst: „Wozu eigentlich das alles? Wenn mir einfach alles egal wäre, wäre es doch manchmal leichter.“
Dieser Song ist der Versuch, sich dieses Gefühl durchaus einzugestehen. Aber nicht um darin zu versinken, sondern sich seiner Schwächen und nicht so guten Momente bewusst zu werden, um letztendlich gestärkt aus solchen Situationen hervorzugehen. Das ist mitunter auch auf eine emotionale und vielleicht auch romantische Ebene übertragbar – ja, das können wir auch!

Where We Belong

Doch als vor Allem politische Band sehen wir uns in der Pflicht nicht nur davon zu reden die Beschissenheit der Dinge zu ändern. Es ist uns wichtig auch Taten sprechen zu lassen. So führen wir als Band immer wieder Aktionen durch, um Geld für beispielsweise die NGO Pro Asyl zu generieren, mit denen wir inzwischen schon viele Jahre zusammenarbeiten. Auch privat versuchen wir unser Bestes unseren Teil zur Besserung der Umstände beizutragen. So arbeitet Simon eng mit unbegleiteten und minderjährigen Flüchtigen zusammen, hilft Ihnen beim Ausfüllen wichtiger Anträge oder zeigt Ihnen wie und wo man Einkaufen kann. Lookie und Tini sind mehrmals im Jahr Teil einer Workshopreihe, deren Zwecks Sprachvermittlung durch Musik für unbegleitete Flüchtige ist. Jo war 2015 an der serbo-kroatischen Grenze und hat eine Feldküche mit Aktivisten betrieben, damit die Menschen vor Ort einfach mal was zu Beißen kriegen. All diese Erfahrungen kanalisieren sich in unserer Musik, speziell in diesem Song. Deswegen war es für uns auch von vornherein klar, dass das die erste Single werden wird.

Alter Ego

Das Internet bietet so viele Möglichkeiten. Man kann sich kostenlos über die verschiedensten Dinge informieren, von und mit anderen lernen und auch gerade als Musiker bietet es viele Chancen, die es so vor einigen Jahren noch nicht gab. Dass es aber mal eine Keimzelle des Hasses wird, die sie jetzt ist… Es gibt Tage da muss man sich wirklich selbst dazu zwingen fern von allen (a)sozialen Netzwerken zu bleiben. Reine Mutmaßungen in Form von Hass-Posts, die das eigene, verbohrte Weltbild stärken, werden geliket, geteilt und mit bloßer unterstützender Verachtung kommentiert. Und das nicht mal mehr anonym. Wenn einem etwas nicht passt wird das mal eben mit den Unwörtern „Lügenpresse“ oder „Gutmensch“ zunichte gemacht.
Doch anstatt vorgekaute Hetze einfach zu schlucken sollte sich jeder (wirklich jeder; nicht nur der AFD Wähler von Morgen; auch du und ich) einmal selbst an der Nase packen und reflektierend beurteilen: „Habe ich vielleicht sogar selbst etwas zu der Situation beigetragen, wie sie ist?“ oder „Was kann ich tun, damit sich gewisse Umstände ändern?“
Das ist nicht einfach und alleine geht es auch nicht. Nur wer bereit ist, sich gemeinsam an den Tisch zu setzen und offen bleibt für Neues, kann Dinge gemeinsam mit Anderen verändern. Diesen Prototypen Mensch, der es sich einfach macht und stumpfen Parolen folgt, beschreibt dieser Song.

40 Hours

Es mag bei 8 Leuten in einer Band nicht immer einfach sein auf einen gemeinsamen Nenner zukommen. Aber in einer Sache sind wir uns einig: so viel Scheiße in der Welt auch schieflaufen mag, so oft man zu spüren bekommt, das man nicht den Einfluss auf Dinge nehmen kann, wie man es manchmal gern hätte. Man muss trotzdem versuchen ein zufriedenes und glückliches Leben zu führen. Nur so hat man genug Energie und Kraft sich auch für die einzusetzen, die für sich selbst vielleicht nicht kämpfen können. Die Momente, die einem diese Power geben muss man sich merken und versuchen möglichst viele davon zu haben. Auch wenn das nicht immer leicht ist miese Gefühle und Gedanken abzuschütteln, muss man doch versuchen den ganzen Mist nicht an sich ranzulassen. Genau von diesem Thema handelt der Song.

Angel For A Moment (Devil For A Lifetime)

„Angel For A Moment (Devil For A Lifetime)“ schlägt grundsätzlich in eine ähnliche Kerbe wie sein Vorgänger, ist dabei aber ein wenig verspielter und theatralischer. Wenngleich tanzbar, liegt dem Song eine lästige und unangenehme Thematik zugrunde mit der sich wohl jeder irgendwie identifizieren kann. Jeder der vom Schwarm schonmal einen Korb bekommen hat weiß, dass das keine schöne Erfahrung ist. Seine Sorgen in Bier und Konsorten zu ertränken und sich dann wie ein Vollidiot aufzuführen ist aber weder eine besonders gute noch vernünftige Lösung. Klar, solche Ausrutscher sind nur allzu menschlich und nachvollziehbar. Wichtig ist nur, dass man in der Lage ist aus solchen Fehltritten zu lernen und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Und um diesen Punkt zu erreichen kann man den Refrain ja guten Gewissens mitbrüllen. Musiktherapie à la The Prosecution!

My Silent Phone And Me

Als klar war, das wir zu dem Song ein Video drehen würden, stand fest, dass der Dreh irgendwo in der Natur stattfinden muss. Nachdem wir dann über Internetrecherche und bisschen Rumfahrerei einen passenden Spot in der Nähe Münchens gefunden haben sind wir da hingefahren, um das Video zu produzieren. Wir fahren also mit unserem großen, schwarzen Sprinter zum nächstgelegenen Parkplatz, um dann zu merken, dass eben jener einer von denen ist, wo die Liebe käuflich ist. Aus diversen Autos kamen uns dann sehr erwartungsvolle Blicke knapp-bekleideter Menschen entgegen (schließlich verspricht unser Bus mit verdunkelten Scheiben ja nicht unbedingt das, was darin vorzufinden ist). Als bei uns der Groschen dann so allmählich gefallen ist, wo wir uns hinverfahren haben, brach eine verbale Laola-Welle der Erstaunheit vom Fahrer zur Rückband nach hinten durch. „oh… OH… Ahhh…!“
So haben wir uns dann kurzerhand entschlossen, woanders zu parken.

We Are One

Mit dem Albumtitel „The Unfollowing“ spielen wir sehr gezielt mit einem Gegensatz. Der Begriff beschreibt eine Gruppe, die sich wörtlich übersetzt „Die Nicht Folgenden“ nennt. Doch sobald sich diese als solche benennt, ergibt sich ja schon wieder eine Art Gruppenzugehörigkeit, es entwickelt sich innerhalb der Gruppe eine Eigendynamik. Und der Sinn eine Gruppe ist ja immer einem gemeinsamen Ziel zu folgen. Dieser Widerspruch hat uns sehr gut gefallen. Beziehen kann sich das jetzt auf einer politischen Ebene oder auch auf eine mediale Ebene (womit der Begriff „to follow“ von Haus aus stark verbunden wird). In dem Song „We Are One“ vom Album „The Unfollowing“ spiegelt sich dieses nette Paradox nochmal sehr gut wieder. Uns geht es letztendlich darum, dass man alles und jeden hinterfragen sollte und sich das Leben und die Entscheidungen, die es so mit sich bringt, nicht zu leicht machen sollte, schon gar nicht weil es einem grad besser ins eigene Weltbild passt.

Waiting For You

Der Song ist eine Fortsetzung des Tracks „When Sorrows Start To Follow“ vom Vorgänger Album „Words With Destiny“. Wir sind echt wahnsinnig viel auf der Straße, arbeiten nebenbei auf 20h Basis oder freiberuflich und bringen auch privat viele Opfer, um unseren Traum „Band“ leben zu können. Das ist es auf jeden Fall wert und wir kennen das auch nicht anders, da es für uns seit wir 12 sind nie anders war. Trotzdem stößt man manchmal durchaus an seine Grenzen und fragt sich in streßigen Phasen, warum wir uns das selbst antun. Unser Lichtblick und die eindeutig überwiegenden positiven Momente sind Konzerte, danach mit Fans und Freunden ein Bier zu trinken und positive Resonanzen, wenn mal wieder (wie jetzt gerade) eine neue Platte erschienen ist. „Waiting For You“ ist das Memo an uns selbst, dass es nicht immer leicht ist, aber dass es sich immer lohnt!

Lifelines

Als Bandgemeinschaft war es uns immer wichtig, den Leuten humanistische sowie pazifistische Werte zu vermitteln, ohne sie dabei mit irgendeiner Ideologie indoktrinieren zu wollen. Es ist nicht immer leicht einen gemeinsamen Nenner zu finden und es ist auch nicht notwendig. Wenn sich jedoch das Meer in ein Massengrab verwandelt, in dem Schätzungen zufolge seit dem Jahr 2000 über 40 000 Menschen auf der Flucht ertrunken sind, dann ist es wichtig etwas dagegen zu unternehmen. Während die Politik immer mehr NGOs kriminalisiert und Seenotretter mit Schlepperbanden gleichsetzt, macht uns das wütend. Wenn Europa immer mehr zur Festung wird, die auf dem Rücken der Schwächsten und Ärmsten getragen wird, kann keine Rede mehr von gemeinsamen Nenner oder nicht-Nenner sein. Dann ist es die Pflicht jedes Menschen, seine Stimme gegen Zustände zu erheben, in denen Regierungen lieber Waffen als Lebensmittel in Entwicklungsländer importieren und sich dann wundern, weshalb sich das Mittelmeer rot verfärbt. Dieser Song ist ein Aufruf an alle Individuen dieser Welt, sich aktiv für Flüchtlingsrechte einzusetzen. Zusammen können wir den Alltag der Verantwortlichen dieser Misere zumindest ungemütlicher machen. The red on the globe will turn into blue.

Ignite Our Passion

Mit 12 Jahren, da war die Welt noch…nein auch nicht in Ordnung. Aber zumindest tat man sich als Kind in einem reichen Industriestaate leichter, seine Träume zu verwirklichen und sich auszuleben. In diesem Lebensabschnitt machten wir uns keine Gedanken darüber was morgen oder in 15 Jahren sein könnte. Aber im Laufe der Zeit wurde irgendwie alles schwieriger. Lokale und überregionale Bands lösten sich nach dem Studium auf und keiner konnte uns erklären warum, wieso, weshalb.
Nun, ein paar Jahre später, können wir zumindest darüber mutmaßen, da wir uns in der selben Situation wiederfanden. Dies ist auch die lyrische Grundlage des Songs. Als Kind hat man Träume, und spätestens nach der Ausbildung oder dem Studium, kommt es vielen Jungen Menschen so vor, als würden ihnen von dieser Gesellschaft Ketten angelegt werden. Als wäre es ein muss sich 40-Stunden wöchentlich in die Arbeit zu stellen, da das ja alle machen. Und bis man sich versieht, ist die Luftblase, in denen sich die Kindheitsträume und jegliche Selbstentfaltung befanden, geplatzt. Darauf haben wir keine Lust. Allen Leuten denen es in dieser unglaublichen schneller gewordenen Welt, in dieser Leistungsgesellschaft beschissen geht, raten wir in diesem Song, den Mut zu fassen, ihre Träume zu verwirklichen.

Melodies Of Timeless Stories

Der letzte Song unseres neuen Babys. Er ist die Vertonung unsere Sehnsucht nach einer besseren Zeit. Aber auf keine deprimierende Art und Weise, sondern in dem Bewusstsein nicht alleine zu sein, auch wenn man sich gerade verlassen fühlt. Und in der Hoffnung, dass man gemeinsam diese Welt doch noch zu einem besseren Platz für Alle werden lassen können – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion und Geschlecht.

THE PROSECUTION auf GETADDICTED