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Tiny Moving Parts – Celebrate (Review)

Das Familienunternehmen Tiny Moving Parts kniedelt auch auf „Celebrate“ fleißig auf den Gitarren und verpasst seinen Songs die richtige Mixtur aus Eingängigkeit und Komplexität. Das PopPunkPopMathPopHCeskeste Sommer-Album 2016!

Die Gossip-Redaktion im Medienimperium GETADDICTED deckt auf: Mark Hoppus und Tom DeLonge waren in Wirklichkeit ein Paar, hatten zusammen Kinder und haben sich dann in einem bitterbösen Scheidungskrieg voneinander getrennt. Aber es gibt ein gemeinsames Besuchsrecht und zum Wohle der Kleinen verbringt die ganze Familie manchmal doch Wochenenden zusammen. Jetzt sitzen Mark & Tom zusammen auf der Veranda und schauen den im Garten tollenden Drillingen (sie haben warum auch immer die Namen Tiny, Moving und Parts bekommen) zu: „Hach, sind die niedlich…“ „Ja, und wie schnell sie so gut Gitarre spielen gelernt haben. Von wem haben sie das wohl?“ „Von dir bestimmt nicht, Tom!“ Dann lachen Hoppus und DeLonge und für ganz kurze Zeit (noch zwei Stunden, dann kommt der Neue, Matt Skiba, nach Hause) ist alles wie früher…

So… genug halluziniert …jetzt mal Fokus.

Denn Celebrate hat es wirklich verdient, dass man sich mit dem neuen Album von Tiny Moving Parts auseinandersetzt. Los geht’s mit dem für Tiny Moving Parts typischen Gitarrengekniedel, das sich in „Nothing’s Ever Good Enough“ mit PopPunk, Midtempo-Parts, angebrüllten Vocals und einem großen Refrain-Moment paart. Vom chaotischen Mathcore, der auf den  Früh-EPs „Waves Rise, Waves Recede, The Ocean Is Full Of Waves“ (2008) und „Moving To Antarctica“ (2010) noch ein prägnanter Teil von Tiny Moving Parts war, merkt man 2016 nichts mehr.
Einen vernünftigen Song namens „Happy Birthday“ rauszuhauen: ein cleverer „Reichweite per Facebook“-Schachzug. Highlights an Position 4 und 5 – „Headache“ als Single und „Common Cold“ als stärkster Song mit allen Klaviaturen, die Tiny Moving Parts so bespielen. „Breathe Deep“ und das abschließende „Minnow“ würden auch als Co-Produktionen mit Touche Amoré durchgehen.

„Celebrate“ kriegt den Parforce-Ritt durch die Genrelandschaft erstaunlich gut hin. Liegt wahrscheinlich dran, dass die bucklige Verwandschaft [Sänger & Gitarrist Dylan Mattheisen ist der Cousin der Brüder Bill (Schlagzeug) und Matt (Bass & Vocals) Chevalier] sich selbst auferlegt hat, kein 08/15-Zeug zu spielen. Dementsprechend haben alle Songs von Tiny Moving Parts eine Instrumentierungs-Ecke hier oder eine Break-Kante da, was die Band auch live sehr unterhaltsam macht, wie man vor ein paar Monaten bereits im Vorprogramm von Into It. Over It. feststellen durfte.

Dass hier als Einleitung wilde Blink Fanfiction runtergeschrieben wurde, hat seine Gründe. Auch wenn Tiny Moving Parts der Vergleiche mit der Mutter aller Pop-Punk-Trios wahrscheinlich verdammt müde sind: Wer im sehr unterhaltsamen best-day-ever-Video zu „Headache“ (s.u.) in bester „What’s My Age Again“-Manier nackt durch die Gegend rennt, darf sich ebenso wenig beschweren wie Leute, die Transitions wie in „Birdhouse“ oder einen Pre-Chorus wie in „Common Cold“ schreiben. Schrappt alles wie durch ein Wunder an einer Copyright-Klage von Tom DeLonge vorbei. Und mit dem ist bekanntlich nicht zu spaßen.

Tiny Moving Parts gibt’s im Sommer übrigens auch live zu sehen im Vorprogramm von The Fall Of Troy.

29.08. Bochum – Rockpalast
30.08. Köln – Essigfabrik
31.08. Hamburg – Logo
02.09. Berlin – Bi Nuu
03.09. München – Backstage

Tiny Moving Parts – Headache

 

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