Tonight Alive in Köln 2016// Foto: Kirsten Otto

Tonight Alive in Köln // 12.02.2016

2012 spielten Tonight Alive ihr erstes Europa-Konzert überhaupt im Kölner Luxor – damals als Support von Never Shout Never. Am 12.02.2016 kehrten sie zu ihren Wurzeln zurück, jedoch mit einem gänzlich neuen Sound.

Den Abend eröffnen die britischen Pop-Punks von Milk Teeth. Optisch passender Name, sieht die dreiköpfige Band um Sängerin Becky Blomfield aus wie aus einem 90er Jahre Teeniefilm entsprungen. Klingt auch so. Blomfields Stimme ist auf der Platte erstaunlich kraftvoll, doch will sie dem live leider nicht so ganz gerecht werden. Macht ja auch nichts, die Milchzähnchen fallen der jungen Band bestimmt auch noch aus. Immerhin können sie bereits zwei EPs sowie eine (frisch erschienene) LP vorweisen. Vielversprechend – sollte man im Auge behalten.

Back To The Roots – Oder auch nicht

Vier Songs ihres neuen Albums „Limitless“ haben Tonight Alive bisher veröffentlicht, in kompletter Form ist es für den 4. März angesetzt. Freuen sich Fans für Gewöhnlich auf den Release einer neuen LP, wird dieses bereits im Vorfeld heftig diskutiert. Poppige, mit Autotune überfüllte Songs – Hörer der ersten Stunde reagieren größtenteils mit Ablehnung.

„Ich bin nicht mehr 16, sondern 23. Es ist unfair, mich in meinem 16-jährigen Ich gefangen zu halten und davon auszugehen, dass ich immer noch ausschließlich von Bands wie Green Day, Blink 182 oder Fall Out Boy beeinflusst werde“ – so die Antwort von Frontfrau Jenna McDougall in einem Interview mit Buzzfeed. Haters gonna hate. Direkt als Opener einen der neuen Songs („To Be Free“) zu wählen scheint gewagt, aber andererseits sind die Kölner Fans offensichtlich erst einmal einfach nur froh, die Australier wieder live zu sehen. Ebenso geht es der Band, die sich sichtlich darüber freut, dieses Mal selbst als Headliner im Luxor spielen zu dürfen.

Gwen Stefani wäre stolz auf die Fellmütze von Tonight Alive

Auch optisch gesehen hat zumindest Jenna eine gewisse Weiterentwicklung – oder sagen wir mal Veränderung – hinter sich. Gwen Stefani aus den 90ern wäre stolz auf die rote Flauschemütze, die Baggyjeans und das XXL-Shirt. Und schaut man sich die bisher neu veröffentlichten Videos der Band an, scheint der Blond- äh nein, Grün- äh nein, Rasta- äh, Moment, Bobkopf zudem einen neuen Rekord für die am schnellsten wechselnden Haarfarben und Frisuren aufstellen zu wollen. Vielleicht ist die Outfitwahl an diesem Freitagabend aber auch einfach nur ihrer aufkeimenden Erkältung zuzuschreiben, weswegen die Band zudem drei der 17 auf der Setlist ausgeschriebenen Songs weg lässt. Dass der neue Sound durchaus Spielraum zulässt, zeigen Tonight Alive auf die Art, die sie am Besten können: live spielen. Ebenso „The Edge“, den sie 2015 zum Soundtrack von „The Amazing Spiderman“ beisteuerten, findet seinen Weg auf die Setlist. Und auch die alteingesessenen Fans kommen mit „What Are You So Scared Of?“, „Wasting Away“ und dem akustisch gespielten, emotionalen „Amelia“ auf ihre Kosten, leider fällt hingegen „Listening“, ebenso wie „The Fire“ und „Bathwater“ der letzten LP „The Other Side“ unter den Tisch. Sichtlich angeschlagen, aber glücklich verlässt Jenna nach gerade ein mal 60 Minuten und zwei Zugaben mit ihren Mannen die Bühne. Zurück lassen sie ein gut gefülltes Luxor, welches sich die ersten Eindrücke des neuen Albums noch einmal durch den Kopf gehen lassen wird. Das folgende Konzert in Lille musste die Band absagen – Jenna war mittlerweile zu krank geworden. (Tina Herschel)

Setlist:
To Be Free
The Fire (ausgelassen)
The Ocean
Hell & Back
Bathwater (ausgelassen)
Amelia
What Are You So Scared Of?
Complexes
The Other Side
Human Interaction
Don’t Wish
The Edge
Wasting Away
Listening (ausgelassen)
Drive
Zugaben:
How Does It Feel
Lonely Girl