Turbostaat, Foto: Jens Becker

Turbostaat in Essen 2011

Auf der Skala von Geheimtipp bis Massenwirksamkeit rangieren Turbostaat auf einem komfortablen Mittelfeldplatz, der ihnen eine angenehm gefüllte Zeche Carl bescherte.

Zeche Carl, Essen // 16.12.2011, Support: Love A

Die Husumsche Breitenwirkung werden Love A vielleicht nie erreichen, dafür pinkelt die Band aus Trier in ihren Songs viel zu vielen Leuten an die Karre – und zieht das live variabel durch. Die schrecklichen „Nachbarn“ mit dem Intro-Abo hören auf ihrem Album Kettcar, live wird daraus in Essen kurzerhand Adolar (Sonst waren Jupiter Jones hier auch schon mal reif). Gerade aufgrund ihrer unverklausuliert pissigen Texte sollte man sich Love A dennoch mal genauer zu Gemüte führen. Sänger Jörkk verdiente sich außerdem einen Sonderpreis für sein „Vinyl kills the mp3 industry“-Shirt.

Was die Besonderheit von Turbostaat-Konzerten ausmacht, lässt sich im Grunde kaum greifen. Okay, Sänger Jan hat sich über die Jahre vom „Seitlich zum Publikum“-Tänzer etwas zur Rampensau entwickelt, der den Leuten „Husum, verdammt“-Rufe abverlangt, die sie aber sowieso mitgebrüllt hätten. Der Abgehfaktor der Musiker ist auch nicht auf Sick-Of-It-All-Niveau. Die drei Hände voll Stagediver sind für die Stimmung ebenso wenig alleinverantwortlich wie Toberts Bart. Trotzdem fliegen vom Opener „Insel“ an Fäuste in die Luft, werden in den ersten Reihen Stimmbänder von der ersten bis zur letzten Zeile des finalen „Frieda und die Bomben“ strapaziert, und auch  die hinten etwas zurückhaltender stehenden Leute  brüllen immer wieder Refrains mit.  Hier ist hier die Summe größer als die Einzelteile aus guter Songauswahl mit doppelter Zugabe, sympathischem Auftreten und Nähe zum Publikum. Nicht zu blau, nicht zu grün, nicht zu grell. Wollen wir das? Ja, ja!

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