facebook_live

Versaut Facebook Live-Streaming endgültig die Konzerte?

Facebook Live-Streaming für jedermann – tolles Feature, aber: Halten jetzt endgültig alle bei Konzerten ihr Smartphone non-stop in die Höhe? Und wie gehen wir als Online-Magazin mit Facebook Live-Streaming um?

Seit ein paar Tagen gibt es Facebook Live-Streaming. Nun kann jede Facebook-Seite als auch jede Privatperson in seinem Facebook-Profil seine Follower/Freunde in Echtzeit per Video am eigenen Treiben teilhaben lassen. Damit schließt Facebook zu Periscope und Twitter auf, überholt die Konkurrenz sogar in Ansätzen. Wie immer mit neuen Content-Formaten stürzen sich die Nutzer auf die neuen Möglichkeiten, für Marken und Unternehmen, die bereit für Facebook Live-Streaming sind, bedeutet dies: Jede Menge Reichweite!

Konzerte mit Facebook Live-Streaming – 1000 Zuschauer, 988 Videos

Doch was bedeutet Facebook Live-Streaming für den geneigten Konzertgänger? Schon jetzt gehen einem die ständig gezückten Smartphones reichlich auf den Sack, wenn die Person vor einem alle fünf Minuten den Knochen in die Höhe hält und abdrückt. Bist Du auf einer Clubshow und relativ nah am Geschehen, ist das Licht wahrscheinlich nicht das grandioseste, das Bild wird mit hoher Wahrscheinlichkeit rotze. Bist Du bei den Foo Fighters in irgendeiner Arena, ist zwar alles schön ausgeleuchtet, aber Du bist 250 Meter entfernt im zweiten Oberrang, Dave Grohl ohne Leinwand  circa daumennagel groß zu erkennen. Das Foto höchstens eine Erinnerung, aber definitiv kein Werk von Todd Owyoung. Du drückst trotzdem fleißig drauf. Dagegen spricht auch nichts: solange Du niemandem auf den Sack gehst.

Wir malen mal ein wenig schwarz: Durch Facebook Live-Streaming ist jetzt jeder sein eigener kleiner Fernsehsender. Aus 1000 Zuschauern werden auf einmal 500 Konzertgänger und 500 Breaking-News-Mini-CNNs, die die Welt an ihrem Deicide/Justin Bieber/Bachs Fünfte in Gis-Dur-Erlebnis teilhaben lassen wollen. Aber halt nicht nur in Schnappschüssen und Augenblicken sondern in voller Länge. Man nimmt das Smartphone nicht mehr runter, man kann die Show gar nicht mehr genießen. Auch die anderen 500 Leute nicht, da sie konstant eine Armada an Kameramännern vor der Nase hat.

Jeff Rosenstock beendet unser Facebook Live-Streaming

Wir bekennen uns schuldig. Wir konnten es auch nicht sein lassen und mussten Facebook Live-Streaming beim erstbesten Konzert natürlich auch mal ausprobieren. Jeff Rosenstock nahm uns dann nach 8 Minuten das Smartphone selbst aus der Hand. Sollten wir ihm dankbar sein? Weil wir Reichweitenhuren sonst in Zukunft die Nervensägen der Clubs würden?

Facebook Live-Streaming Jeff Rosenstock

Facebook Live-Streaming bei GETADDICTED

Butter bei die Fische: Die Bildqualität beim Facebook-Live-Streaming ist auch trotz immer besserer Smartphonekameras eher dürftig, da gewollt datenvolumenfreundlich und dadurch ordentlich runterkomprimiert. Und der Sound? Egal, ob aus der ersten Reihe oder vom zweiten Oberrang: Solange da irgendwo eine verzerrte Gitarre oder sonst was Verstärktes auf der Bühne abgeht, wird der Output wahrscheinlich nicht eine harmonische „Pet Sounds“-eske Wall Of Sound sein.

Wir werden jetzt definitiv nicht jede Show, die wir besuchen, live auf die GETADDICTED-Facebookseite jagen, sondern uns reiflich überlegen, ob die Gegebenheiten vor Ort okay sind, um Dir ein vernünftiges Bild und einen halbwegs erträglichen Sound zeigen zu können. Und noch wichtiger: Wir werden den Leuten vor Ort nicht die Show versauen und selber zur Nervensäge werden. Das versprechen wir hiermit Jeff Rosenstock und Dir…