WIZO in Köln

Wizo . Punk gibt’s nicht umsonst (Teil III)

Ein WIZO-Album im Jahr 2014 – ist das albern, wichtig, überflüssig, plump, unglaubwürdig, ein Abklatsch, gut, schlecht? Bei „Punk gibt’s nicht umsont (Teil III) gilt: eigentlich alles!

WIZO - Punk gibt's nicht umsonst

WIZO – Punk gibt’s nicht umsonst

Albern?

Zwischendurch natürlich! Gehört dazu. Sollte auch niemanden überraschen.

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Unglaubwürdig?

Auch! Wer mit 30 nicht rebelliert hat, der hat kein Herz. Wer mit über 40 noch rebelliert, hat keinen Verstand. Und wenn Axel Kurth heute „Kriminell und asozial“ singt, ist das genau so glaubwürdig, als wenn Obama sagt, die USA würden ihre Geheimdienste auflösen.

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Abklatsch?

Die Geschichte von „Kohlenholen“ ist „das gleiche in anders“ wie „Alte Frau/Alter Bruder“. Und auch „Scheißefresser“ greift das gleiche Thema wie „Wir essen Leichen“ in sehr ähnlicher Weise auf.

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Wichtig

A propos „Scheißefresser“, in dem es um billigst produzierte Lebensmittel geht: Es ist zwar weder revolutionär noch sonderlich kreativ, aber ein Blick in die Kühlregale zeigt, dass man es auch gar nicht oft genug sagen kann. Genau so kann man sich auch immer wieder gegen Nazis aussprechen.

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Plump

Egal, wie wichtig das Thema bleibt: „Ganz klar gegen Nazis“ ist trotzdem eine so plumpe Phrasendrescherei, dass es wirklich langweilig ist. Da wäre ein Abklatsch von „Raum der Zeit“ angebrachter gewesen.

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Schlecht

Also mal ehrlich: Die (angeblich) Unpolitischen, die sich zwischen Grauzone und rechtem Rand, zwischen Vorurteilen und Deutschtümelei bewegen, im Jahr 2014 immer noch als strunzdumme Glatzen darzustellen, braucht kein Mensch. Das mit sächsischem Akzent zu singen, reproduziert genau genommen sogar genau die Klischees, gegen die WIZO doch eigentlich ansingen. „Unpoliddisch“ wirkt einfach so, als hätte Axel Kurth noch gar nicht mitgekriegt, dass die neuen Rechten eben nicht mehr die stiernackigen Bomberjackenträger sind.

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Gut

Einfach mal die komplette Menschheit in Frage stellen („Dummmensch“), oder die eigene Situation („Scheißekotzen“), oder in „Alte Herren“ sogar selbstironisch werden (Prophezeiung übrigens: Das wird demnächst der letzte Song vor der Zugabe sein). Überhaupt bringt Axel Kurth viele Beobachtungen gut auf den Punkt und ist immer dann am stärksten, wenn er nicht den gestelzt-lustigen Märchenonkel dabei gibt.

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Was für den Großteil des Albums gilt: Das sind fast alles Hits. Zig Songs – vom akustischen Geklimper bis zum metallischen Punkrock – haben das Potenzial, sich zehn Stunden nach dem letzten Hören plötzlich aus irgendeinem Winkel im Gehirn zurückzumelden und nicht mehr wegzugehen.