Yellowcard, Kulturkirche Köln, Foto: Henning Haake

Yellowcard Acoustic in der Kulturkirche Köln 2013

ebartz-van Elst wäre neidisch auf diesen Konzertsaal. Und auch Yellowcard sind sichtlich be- und gerührt von der Atmosphäre in der Kulturkirche, wo die Band das zehnjährige Jubiläum ihres Major-Debüts „Ocean Avenue“ mit einer Acoustic-Album-Show vor ausverkaufter Pop-Punk-Gemeinde begeht.

WORDS, HANDS, HEARTS

Yellowcard Acoustic in der Kulturkirche Köln, Support: Like Torches // 08.11.2013

Zehn Jahre ist es her, dass Yellowcard aus Florida mit ihrem Majordebüt „Ocean Avenue“ die Charts gestürmt haben. Grund genug für die Amis, um mit dem Erfolgsalbum auf Akustiktour zu gehen – und welche Location passt besser zu einer Show ohne Verzerrer als die Kulturkirche in Köln. Das Konzert ist seit Wochen ausverkauft, als Support sind die befreundeten Schweden von Like Torches mit von der Partie. Schon vor Beginn der Show hallen immer wieder „Yellowcard“-Gesänge durch die Halle.

Ohrenbetäubender Jubel bricht los, als die Band die Bühne betritt und mit dem Opener „Way Away“ loslegt. Mit „Breathing“ und „Ocean Avenue“ gibt es gleich Hit auf Hit. Der Sound ist glasklar, das Licht in den Kirchtürmen im warmen Lila-Rot gehalten und die Fans gehen von der ersten Sekunde an mit. Ganz so, wie es sich Sänger und Gitarrist Ryan Key gewünscht hat: „Lasst doch bitte Eure Handys in den Taschen und genießt lieber das Konzert. Ihr dürft natürlich so laut ihr könnt mitsingen.“Das lässt sich die Menge nicht zweimal sagen.Obwohl doch noch verdammt viele dauerhochgehaltene Handys die Sicht versperren. Und hochgehaltene Schildchen mit Liebesschwüren an die Band können doch nur augenzwinkernd gemeint sein, oder? Oder?

Die Ocean Avenue-Songs sind nicht großartig umarrangiert, die E-Gitarren wurden lediglich durch Lagerfeuerklampfen ersetzt. Die Yellowcard Acoustic Rhythmusfraktion spielt nicht großartig anders drauf los als sonst. Es wird getanzt und es gibt sogar zaghafte Crowdsurfing-Versuche. Die Band ist begeistert und bedankt sich x-mal für den langjährigen Support in Deutschland. Ein auf den Schultern sitzender Typ formt als Antwort ein Herzchen. Sarkasmus, oder? Oder? Man kann sich wieder nicht sicher sein.

Auch spontane Background-Chorgesänge der Fans werden mit einem breiten Grinsen bedacht. Lobende Worte finden die Musiker auch für die Location. „Wow, in einer Kirche haben wir noch nie gespielt. Wahnsinn, wie toll die Akustik und wie schön es hier ist“, sind die Amis ganz angetan. Auf der Kanzel zu spielen, traut sich Ryan Key dann aber doch nicht.

Emotional wird es beim Song „Believe“ – die Zeile „Be strong believe“ wurde in den letzten Jahren oft als Slogan für Sean Mackin gewählt. Der Geiger, der sich gerne als Spaßvogel der Band präsentiert, ist vor zwei Jahren an Schilddrüsenkrebs erkrankt und immer noch nicht hundertprozentig genesen. Auch bei der Zeile „And if we all believe in heaven“ aus dem Song “View From Heaven” blickt Sean Mackin immer wieder in Richtung Himmel.

Als Zugabe gibt es vier Songs von vier verschiedenen Alben: „Ten“ („Southern Air“), „Sing for me“ („When you’re through thinking, say yes“), “Light Up The Sky” (“Paper Walls”) und “Lights and Sounds” (“Lights and Sounds”). Diese sind nun tatsächlich bedacht umarrangiert und werden von den Fans natürlich genauso mitgesungen und gefeiert wie die Hits der „Ocean Avenue“. „Das war definitiv eine ganz besondere Show für uns hier in Köln“, verabschiedet sich Ryan Key nach 90 Minuten und besonders die ganz ganz ganz treuen Fans stimmen zu, oder? Oder?