apologies I have none pharmacie

Apologies, I Have None – Pharmacie

Der East London Summer ist abgesagt. Apologies, I Have None sind auf Pharmacie ein verdrossener Kloß im Hals. Und laut. Und dabei gut.

Wenn einem zwei der drei engsten Vertrauten und Freunde in einem Moment, in dem eigentlich alles gut scheint, unter den Füßen wegbrechen, kommt man ans Nachdenken. So geschehen bei Josh Mckenzie, als Co-Gitarrist-und-Bandkopf Dan Bond und Bassist PJ Shepherd innerhalb kurzer Zeit verkündeten, Apologies, I Have None zu verlassen. Dabei hätte doch alles so schön sein können: Debütalbum London ein Volltreffer mit jede Menge ganz großen Momenten und live sprangen von Konzert zu Konzert mehr und mehr Leute auf die Mischung aus Lärm, Unbekümmertheit und britischem Charme an. Der zwangsverordnete Neustart zog sich hin und fiel in Form von Black Everything verständlicher Weise pessimistisch aus.

Und nun lehrt uns Pharmacie, das neue Album von Apologies, I Have None: Die Zeit, die phrasenschweinig alle Wunden heilt, ist ein mieser Wichser. Optimismus auf Pharmacie: komplette Fehlanzeige.

Lebensfreudiger als im vorab veröffentlichten Opener „Love & Medication“ wird Pharmacie wirklich nicht oft. Und schon da dreht es sich für Josh Mc Kenzie um Gedanken wie „Why the fuck am I like this“ und „I Cant Control this“. Rosige Aussichten… Auch die folgenden Stücke „Wraith“ (verdammt wütend) und „The Clarity Of Morning“ (Kontrollverlust und Alkohol&Tabletten-Mix als Flucht in den Schlaf) sind durch die Split mit Luca Brasi bzw die Black Everything EP vertraut.
Auf „London“ wäre die „Goodbye, Peace of Mind“-Textzeile „It’s kind of fucked up, spend most of our time getting fucked up“ noch mit einem Grinsen, Mittelfinger oder britischer Ironie versehen gewesen, auf Pharmacie klingt es einzig und allein: Todtraurig. „Crooked Teeth“ verzichtet gänzlich auf Lärm und Tempo und ist die Sorte von Ballade, die Biffy Clyro mittlerweile nicht mehr hinkriegen, ohne im metertiefen Kitsch zu ersaufen.

Das musikalische sowie thematische Fundament von Pharmacie liegt in den Stücken 7 und 8 und nennt das traurige Kind endgültig beim Namen: „Everybody Wants To Talk About Mental Health“ und „It’s Never The Words You Say“. In beiden Tracks nimmt Dich Josh Mckenzie auf die Achterbahnfahrt namens Depression, zumindestens im letzteren geht es in Ansätzen nicht bergab („Sometimes you just wanna know you’re not alone!“). Die abschließenden „Killers“ und „A Pharmacy in Paris“ strecken sich auf stolze 15 Minuten und sezieren noch einmal auf eindringliche und teils in den Shoegaze abdriftende Art und Weise den Umbruch in der Band und die Auswirkungen auf das persönliche Befinden aller Beteiligten.

Die den Unwegsamkeiten schelmisch grinsend den Mittelfinger zeigenden Apologies, I Have None sind endgültig passé. Pharmacie ist ein bewegendes, düsteres, lautes Album über Scheißsituationen. Und die hat das Leben nun einmal oft genug parat.

(APOLOGIES, I HAVE NONE – Pharmacie- Uncle M Music / Cargo Records – Release: 26 August 2016)
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Ganz aktuell kam gerade die bislang unveröffentlichte Unplugged-Version von The Clarity Of Morning rein.