The Smith Street Band live beim Groezrock 2014, Foto: Mathias Schumacher

Wil Wagner (The Smith Street Band): Mehrheit der Musiker kämpft mit psychischen Problemen

Happy people have no stories, sang Andy Cairns von Therapy? 1995. Sänger Wil Wagner (The Smith Street Band) schlägt in die selbe Kerbe, wenn er im Interview sagt, dass seinen Erfahrungen nach die Mehrheit der Musiker mit psychischen Problemen zu kämpfen hat. Sich selbst dabei eingeschlossen.

Das Interview mit Wil Wagner im Original findest Du hier.

„Unter Musikern hat die Mehrheit der Leute mit psychischen Problemen zu kämpfen“

Interview mit Wil Wagner (The Smith Street Band)

 

Wil, “Panic attacks on German TV”: Ist diese Textzeile aus „Song For You“ Fakt oder Fiktion?

Wil Wagner: Das ist wahr. Während einer unserer Deutschlandtourneen ging es mir mental ziemlich dreckig. Direkt nach einem Fernsehaufftritt hatte ich dann eine Panikattacke.

Angst und der Umgang mit Deinen Unsicherheiten sind sich wiederholende Themen in Deinen Texten. Ist Musik Dein Kanal, um diese Probleme aus Deinem System zu kriegen?

Wil Wagner: Total. Songs zu schreiben ist für mich zuallererst Therapie und über meine Gefühle zu schreiben, hilft mir, mich besser zu fühlen. Ursprünglich habe ich darum mit dem Schreiben angefangen.

Auch Euer Produzent & Freund Jeff Rosenstock wählt die Katharsis und singt – besonders auf  „WE Cool“ – offen über seine Depression. Trägt diese Gemeinsamkeit zu Eurer Verbundenheit bei? 

Wil Wagner: Ja klar, das ist etwas, worüber wir uns definitiv austauschen. Ich glaube generell, unter Musikern und Künstlern hat die Mehrheit der Leute mit psychischen Problemen zu kämpfen. Aber Jeff und mich verbindet viel mehr das, was uns glücklich macht, als das, was uns traurig macht!

Ich weiß, Du handelst lieber als über Dein soziales Engagement zu sprechen. Ich hab mir gerade die von Euch zusammengestellte Playlist zum International Women’s Day angehört. Warum ist selbst die „ach so tolerante, aufgeschlossene“ Indie/Alternative-Szene so oft immer noch eine männlich-dominierte Subkultur? 

Wil Wagner: Da gibt es eine Menge komplizierter Gründe, die ich, um ehrlich zu sein, nicht angemessen erklären kann. Mein Part dabei kann nur sein, so viele talentierte KünstlerInnen mit einzigartiger Stimme vorzustellen wie möglich. Alles, was ich tue, möchte ich mit einer positiven Grundeinstellung angehen. Gerade daran hapert es meiner Meinung nach auf beiden Seiten dieser Debatte. Ich möchte mich einfach auf die umwerfend guten Bands und KünstlerInnen da draußen konzentrieren und diesen Gemeinschaftsgeist transportieren können. Um ehrlich zu sein, habe ich mich noch nie gerne in diesem „coole Kerle in Bands“-Dunstkreis bewegt oder wohlgefühlt, so dass ich schon immer von inspirierenden Menschen umgeben war, die diese engstirnige Sichtweise gar nicht haben.

„Suffer“ ist bislang einer meiner persönlichen Favoriten auf dem Album. Habt Ihr den Sound absichtlich so heavy und  laut arrangiert, dass er sich von den anderen Songs absetzt oder klang das Lied von Beginn an im Proberaum so?    

Wil Wagner: Danke Dir! Wir wollten, dass Suffer super heavy und verzerrt wird und mächtig aufs Lautstärke-Gaspedal treten. Es ist so eine Art letztes Rasseln meiner Wut auf dem Album, bevor es in den letzten zwei Songs dann ruhiger wird. Es macht super Spaß, diesen Song live zu spielen.

Jeff Rosenstock und Uncle M als Euer deutsches Label sind Konstanten in Eurer Band – aber zwischen „Throw Me In The River“ & „I Am More Scared …“ hat sich viel für die Smithies verändert. Ihr seid mittlerweile ziemlich groß in Australien. Konntet Ihr Euch von „Jobs, die die Miete bezahlen“ verabschieden? Ist es immer noch sehr stressig, das Leben als Musiker mit dem „normalen“ zu vereinbaren? 

Wil Wagner: Haha, ich hab seit ungefähr 5 Jahren keinen normalen Job gehabt. Unser Erfolg in Australien hat uns ermöglicht, von unserer Musik zu leben und so viel international zu touren. Es ist unglaublich. Klar ist es hart, normales und Tour-Leben zu kombinieren, aber es gibt einem so viel zurück und die Vorteile übertrumpfen das Negative bei Weitem.

Letztes Jahr bin ich schnell über die Grenze und hab Euch in einem belgischen Kaff in einer Art Schuhkarton (der Laden hieß glaub ich tatsächlich The Box) mit den Muncie Girls & Coppersky gesehen. Eine verdammt spaßige Angelegenheit für alle Beteiligten, aber sind solche Touren ein großes finanzielles Risiko für Euch?

Wil Wagner: Ha. Stimmt, wir sind nicht gerade mega groß in Belgien. Aber an anderen Orten der Tour ziehen wir genug, um kein Geld zu verlieren. Und sei doch mal ehrlich: Wofür gibt es Geld in der Bandkasse, um es nicht für Touren auf den Kopf zu hauen. Die Show war übrigens definitiv größer als die Belgien-Stopps auf der Tour davor… unser Plan funktioniert also langsam aber sicher.

Im Sommer steht für wieder eine ausgiebige Europatour (Tourdaten) an. Freust Du Dich? Worauf besonders?

Wil Wagner: Diese Tour wird so spaßig! Tolle Festivals und Venues in ganz Europa, ich kann’s nicht erwarten. Ich hatte mit dem Release des Albums einen riesigen Arsch voll Arbeit, da freue ich mich, weg vom Computer und rauf auf die Bühne zu kommen.

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